Hannah Kerschbaumer

Rasentraktor fahren? Viele Kinder lieben es! Influencerin Hannah Kerschbaumer wurde genau das zum Verhängnis. Denn als ihr Opa sie mitnimmt, passiert ein schlimmer Unfall – mit dessen Folgen sie bis heute kämpft.

„Ich bin Hannah, 33 Jahre alt und Mama von zwei Kindern. Ich bin Wirtschaftspsychologin und studiere Zahnmedizin in Berlin.

Als ich vier Jahre alt war, war ich an einem schönen Sommertag gemeinsam mit meiner Schwester und meinen Großeltern im Garten. Wir hatten einen fahrbaren Rasentraktor und wollten immer mitfahren – immer, immer, immer. Meine Eltern haben es mir aber immer verboten, weil es natürlich gefährlich ist, auch wenn es für uns Kids total spannend war.

An diesem Tag hat mein Großvater zum ersten Mal eine Ausnahme gemacht.

Er mich auf seinem Schoß mitgenommen. Wir sind losgefahren, und irgendwann hat der Rasentraktor gepiepst. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich mich erschrocken habe oder überrascht war. Auf jeden Fall bin ich vom Schoß meines Großvaters gesprungen

Leider war der Rasen zu diesem Zeitpunkt noch leicht nass vom Tau.

Deshalb bin ich ausgerutscht – und mit meinem rechten Fuß direkt in die Klinge geraten.

Eigentlich hätte der Rasentraktor aufhören sollen zu mähen. Das hat er allerdings nicht, stattdessen hat er mich weiter hineingezogen.

Kurz gesagt: Mein Fuß musste amputiert werden.

Ich erinnere mich noch genau an die Zeit im Krankenhaus. Eine der prägendsten Erinnerungen ist, dass mein Fuß zunächst teilweise noch gerettet wurde – bis zum Mittelfuß. Allerdings ist dieser dann abgestorben. Er wurde ganz schwarz und musste entfernt werden.

Das Ganze wurde relativ rabiat gemacht, während ich bei vollem Bewusstsein war. Daran erinnere ich mich heute noch sehr gut.

Aber es gibt auch andere Erinnerungen. Zum Beispiel daran, wie meine Mutter mir nicht von der Seite gewichen ist. Meine Eltern waren beide immer da. Meine Mama hat auf der Kinderintensivstation alle Fenster mit Fingermalfarben bemalt, damit es für mich und die anderen Kinder etwas fröhlicher wird.

Meine Eltern haben mir relativ schnell erklärt, dass mein Fuß nicht mehr da ist.

Als der Arzt eines Tages sagte, ich solle mit meinen Zehen wackeln, wusste ich schon von meinen Eltern, dass sie nicht mehr da sind. Ich war schon immer ein relativ freches Kind und habe nur gesagt: ‚Ich bin doch nicht blöd – ich weiß, dass mein Fuß nicht mehr da ist!‘

Als 4-Jährige war das alles noch nicht so schlimm für mich – als Teenagerin habe ich sehr darunter gelitten.

In dieser Zeit ist es für viele sowieso schon schwierig, den eigenen Körper zu akzeptieren. Und wenn man dann noch sichtbar anders ist, wird es besonders hart.

Ich wurde deshalb auch gehänselt und gemobbt.

Vor allem im Sportunterricht war es schlimm, weil ich mich für meinen Fuß geschämt habe. Auch erste Kontakte, Dates oder Gespräche waren schwierig, weil ich immer erklären musste, dass ich nur einen Fuß habe.

Als Kind haben mich die negativen Reaktionen stark verunsichert.

Ich habe meinen Fuß versteckt und oft nur lange Hosen getragen, damit ihn niemand sieht. Denn ich habe mich wirklich sehr geschämt.

 

Ich hätte mir einfach gewünscht, dass niemand mich anstarrt oder mir unangenehme Fragen stellt. Gleichzeitig weiß ich, dass das unrealistisch ist – es ist eben nicht alltäglich.

Heute im Alltag merke ich es auch immer wieder: Ich kann nicht gut stehen, laufen oder rennen und viele Sportarten nicht ausüben.

Man sieht es mir oft nicht an, weil ich es nicht aktiv thematisiere, aber es ist eine dauerhafte Belastung.

Unterstützung habe ich vor allem von meiner Familie bekommen.

Mein Vater ist Orthopäde und war früher Unfallchirurg – er hat nach dem Unfall sogar die Erstversorgung gemacht. Danach hat er immer darauf geachtet, dass ich gute Schuhe habe, zur Physiotherapie gehe und mich körperlich richtig entwickle. Meine Eltern und Großeltern waren immer für mich da.

Meine Eltern haben mir auch geholfen, mein Selbstbewusstsein zu stärken.

Hannah thematisiert den Unfall und ihren fehlenden Fuß offen auf ihrem Instagram-Account.
Hannah thematisiert den Unfall und ihren fehlenden Fuß offen auf ihrem Instagram-Account. Foto: Instagram/@hicallmehannah

Sie haben mir immer vermittelt, dass ich gut bin, wie ich bin. Dass ich nicht anders bin als andere und dass ich alles erreichen kann.

Dieses positive Mindset hat mich sehr geprägt. Und genau das möchte ich auch an meine Kinder weitergeben Dass sie alles erreichen können, was sie möchten.

Trotzdem habe ich auch heute noch mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen.

Ich habe zum Beispiel täglich Schmerzen. Ich kann nicht lange stehen oder weit gehen und zum Beispiel keine Konzerte besuchen. Auch bei der Auswahl meiner Schuhe bin ich stark eingeschränkt. Der Unfall beeinflusst meinen Alltag auch heute noch stark.

Anderen Eltern, deren Kinder einen schweren Unfall erlebt haben, möchte ich sagen: Sprecht offen mit euren Kindern darüber! Und denkt unbedingt auch über eine Therapie nach.

Wichtig ist, dass der Unfall oder die Behinderung einen Menschen nicht definiert!

Und an alle Eltern: Bitte lasst eure Kinder nicht Rasentraktor fahren!

Auch wenn ich aus Erfahrung weiß, wie spannend es für die meisten Kinder ist, und wie gern sie mitfahren möchten. Es ist einfach viel zu gefährlich, und ein kurzer Moment kann ihr ganzes Leben verändern.“

Liebe Hannah, vielen Dank, dass Du Deine emotionale Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir alles Liebe für die Zukunft!

Ich musste direkt schlucken, als ich die Geschichte gelesen habe. Denn mein kleiner Sohn liebt es auch, auf dem Rasentraktor mit zu fahren. Die Gefahr war mir ehrlicherweise nie bewusst. Wie ist es bei dir: Erlaubst du es deinen Kindern, oder ist es für dich ein NoGo? Und kanntest du die Risiken schon vor der Geschichte? Schreib es in die Kommentare oder tausche dich mit anderen Mamas in unserem Forum aus.

5 Kommentare

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    Lauraa

    Es geht einfach so schnell… wahnsinn! Was für eine Geschichte ❤️ 

    • User Avatar
      wiebke

      Ja, einige Dinge hat man als Mama einfach gar nicht auf dem Schirm 🙁 Aber ich finde es sehr bewundernswert, wie offen Hannah damit umgeht  ❤️ 

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    Ja Ma

    Manchmal denke ich dass ich übertrieben ängstlich bin, dass meinen Kindern ständig irgendwas passiert, aber dann lese ich solche Geschichten und merke nur wieder wie schnell es doch gehen kann 😭

    • User Avatar
      wiebke

      Ja, so geht es mir auch 😐  Es gibt einfach so viele Dinge, an die man gar nicht denkt – bis man davon hört. Aber in dem Fall bin ich sehr froh, weil mir die Gefahr gar nicht bewusst war 🙏

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