Es sind nicht nur viele Erwachsene, die vor allem im Frühling unter dem Pollenflug leiden, Heuschnupfen kann bereits bei Kindern ab drei Jahren entstehen. Wie man ihn erkennt und was kleinen Allergiker*innen hilft?

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    Die Nase läuft, das Kind niest: Eine klassische Erkältung – oder? Es könnte auch eine allergische Reaktion dahinterstecken. Unsere Autorin Julia Felicitas Allmann hat mit Expert:innen gesprochen, wie man Heuschnupfen von einer normalen Schniefnase unterscheiden kann.

     

    Ab wann bekommen Kinder Heuschnupfen?

    Heuschnupfen, auch allergische Rhinitis genannt, gehört zu den sogenannten Inhalationsallergien, die durch das Einatmen von Pollen, also den Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern oder Kräutern ausgelöst werden“, sagt „Kinderherztin Dr. Snjezana-Maria Schütt im Interview mit uns. Und diese Allergien können bereits im Kleinkindalter entstehen: „Meist entwickeln sie sich im Alter von etwa drei bis fünf Jahren, wobei zunächst eine Sensibilisierung erfolgt.“

    Das bedeutet: Das kindliche Immunsystem reagiert im ersten Schritt „überempfindlich“, es stuft die eigentlich harmlosen Pollen fälschlicherweise als gefährlich ein – und beginnt damit, entsprechende Abwehrstoffe zu bilden.

    „Bei einem erneuten Kontakt mit den Pollen, lösen die „vorbereiteten“ Immunzellen dann eine allergische Reaktion aus und verursachen die typischen Beschwerden“, erklärt die Expertin.

    Kinderherztin Dr. Snjezana-Maria Schütt verrät gute Tipps im Umgang mit Heuschnupfen.
    Kinderherztin Dr. Snjezana-Maria Schütt verrät gute Tipps im Umgang mit Heuschnupfen. Foto: privat

    Das kann bereits im Alter ab drei Jahren passieren, und offizielle Zahlen zeigen, dass Heuschnupfen unter Kindern und Jugendlichen recht weit verbreitet ist. Dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zufolge zeigt etwa jedes elfte Kind im Alter bis 17 Jahre die typischen Symptome einer Pollenallergie. Dabei steigt die Häufigkeit mit dem Alter: Bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren sind knapp fünf Prozent, bei den 14 bis 17-Jährigen mehr als 18 Prozent betroffen.

    Das heißt also: Wenn bei unseren Kindern im Frühjahr die Nase läuft, die Augen jucken und weitere Beschwerden auftreten, lohnt es sich, genau hinzusehen – und das nicht als klassische Erkältung abzutun.

     

    Wie kann man Heuschnupfen und Erkältung unterscheiden?

    Ob es sich um eine Allergie oder eine Erkältung handelt, lässt sich meist anhand der Symptome unterscheiden“, sagt Expertin Schütt. „Die Unterscheidung ist allerdings nicht immer leicht und sollte im Zweifel immer ärztlich abgeklärt werden.“

    Klassische Merkmale einer Allergie sind wässrig-klarer Schnupfen mit Problemen bei der Nasenatmung, häufiges Niesen sowie Juckreiz an der Nase, den Augen oder im Hals.

    Oft sind auch die Bindehäute der Augen in Mitleidenschaft gezogen, die Augen sind dann gerötet und tränen häufiger. „Aufgrund der verstopften Nase und vermehrten Mundatmung kann die Schlafqualität beeinträchtigt sein und zu einer vermehrten Tagesmüdigkeit führen“, sagt die „Kinderherztin“.

    Bei der Erkältung haben die Kinder hingegen meist ein allgemeines Krankheitsgefühl, der Schnupfen ist eher gelblich-grün statt wässrig. Es kommen oft Husten, Halsschmerzen und teilweise Fieber hinzu – und nach ein paar Tagen klingt alles oft von selbst wieder ab.

     

    Sollte man mit Allergie-Verdacht zur Kinderärztin oder dem Kinderarzt?

    Auch wenn die Symptome auf dem Papier durchaus unterschiedlich erscheinen: In der familiären Realität ist es nicht ganz leicht, selbst eine Diagnose zu treffen – deshalb empfiehlt es sich, einmal Kinderarzt oder Kinderärztin draufschauen zu lassen. „Eltern können die Symptome zwar häufig selbst erkennen, allerdings ist die Einordnung nicht immer leicht und eine frühzeitige und genaue Diagnosestellung wichtig für die weitere Behandlung“, sagt Snjezana-Maria Schütt.

    Sie rät deshalb, den Verdacht auf Pollenallergie immer ärztlich abklären zu lassen. Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt: „Ein Verdacht auf Heuschnupfen sollte ärztlich abgeklärt werden. Denn aus einem unbehandelten Heuschnupfen kann sich oft ein allergisches Asthma bronchiale entwickeln.“

     

    Was hilft bei Kindern, wenn es wirklich Heuschnupfen ist?

    Liegt eine ärztliche Diagnose vor, sollten wir als Eltern aktiv werden, um die Symptome der Kinder zu lindern – und hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Wichtig sind allgemeine Maßnahmen, die dazu dienen, den Kontakt mit den auslösenden Allergenen möglichst gering zu halten“, sagt Expertin Schütt. „Auch wenn es kaum möglich ist, den Kontakt zu Pollen gänzlich zu vermeiden, kann schon eine Verringerung der Allergenmenge zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen.“ Wie solche Maßnahmen aussehen? Vor dem Schlafengehen Haare waschen zum Beispiel – denn das führt dazu, dass anhaftende Pollen aus dem Haar gespült werden und nicht den Schlaf stören.

    Schnupfen, Niesen, brennende Augen – aber ist es gleich Heuschnupfen?
    Schnupfen, Niesen, brennende Augen – aber ist es gleich Heuschnupfen? Foto: Pexels

    Hilfreich ist es auch, die Kinder beim Nachhausekommen umzuziehen: Denn auch an den Kleidungsstücken kleben Pollen, die sonst im Kinderzimmer landen. „Außerdem sollte im Freien getragene Kleidung möglichst nicht im Schlafzimmer aufbewahrt werden“, rät die „Kinderherztin“. „Daneben können auch Nasenduschen oder Augentropfen mit isotonischer Kochsalzlösung helfen, die Pollenkonzentration zu reduzieren.“

    Ist der Juckreiz an den Augen besonders groß, kann es helfen, einen feuchten Lappen für etwa zehn Minuten auf die geschlossenen Augen zu legen – das beugt häufigem Reiben an dieser empfindlichen Partie vor. „Da Allergiesymptome den Alltag von Kindern deutlich beeinträchtigen können, werden auch bei ihnen antiallergische Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern“, sagt Snjezana-Maria Schütt. „Neben sogenannten Antihistaminika kommen beispielsweise Nasensprays oder Augentropfen, zum Beispiel mit sogenannter Cromoglicinsäure sowie Kortison zum Einsatz.“

     

    Erben Kinder die Allergie von Mama und Papa?

    Wenn wir selbst jedes Jahr unter Heuschnupfen leiden, steigt leider das Risiko, dass auch unsere Kinder allergisch reagieren: „Ja, Allergien haben auch eine genetische Komponente“, bestätigt die „Kinderherztin.“

    „Das heißt: Wenn ein Elternteil betroffen ist, hat das Kind ein erhöhtes Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln.“

    Die DAK hat hierzu Zahlen veröffentlicht, die das Risiko belegen: „Wenn kein Familienmitglied Allergiker ist, beträgt dieses Risiko 5 bis 15 Prozent. Bei einem betroffenen Elternteil sind es 25 bis 30 Prozent“, so die Krankenkasse. „Sind allerdings beide Eltern allergisch, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 40 bis 60 Prozent – und wenn beide Eltern dieselbe Allergie haben, sogar auf 60 bis 80 Prozent.“ So können wir selbst schon einmal abschätzen, wie hoch die Gefahr ist, dass unsere Kinder empfindlich auf Pollenflug reagieren.

     

    Können wir einer Allergie bei Kindern vorbeugen?

    „Die Entstehung einer Allergie hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich durch konkrete Maßnahmen zwar nicht sicher verhindern, allerdings gibt es Faktoren, die einen vorbeugenden Effekt haben und das Risiko reduzieren können“, sagt Snjezana-Maria Schütt. So trägt es zur Allergieprävention bei, wenn Babys gestillt werden, wenn Kinder alle empfohlenen Schutzimpfungen bekommen und wenn sie in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. „Auch eine frühe Gewöhnung an bestimmte Lebensmittel sowie ein normaler Umgang mit Umweltreizen kann die Toleranz des Immunsystems gegenüber Lebensmittel- und Umweltallergenen fördern“, so die Expertin.

    Das bedeutet also: Es ist leider nicht möglich, unseren Kindern die dauerhafte Belastung durch eine Pollenallergie zu nehmen. Wir können aber eine Umgebung schaffen, in der das Allergierisiko so gering wie möglich ist – und sie gezielt unterstützen, wenn dann in der Heuschnupfen-Saison ständig die Nase läuft oder die Augen jucken.

     

    Leiden eure Kinder auch an Heuschnupfen oder einer Allergie? Und was hilft ihnen am besten dagegen? Verratet es uns und anderen Mamas in der Kommentarspalte.