Alkohol in der Schwangerschaft: Ist der eine Schluck schon zu viel?

Jede werdende Mama wünscht sich nichts mehr, als dass ihr kleiner Schatz gesund auf die Welt kommt. Dabei macht es uns auch nichts aus, auf unser geliebtes Sushi zu verzichten und Zigaretten spätestens jetzt wegzuwerfen. Auch auf Alkohol sollten Frauen in der Schwangerschaft verzichten. Aber: Ein Schlückchen Sekt, mal zum Anstoßen, wird schon nicht schaden, oder?

Wir freuen uns sehr, dass wir zu diesem Thema mit einer echten Expertin sprechen durften. Elena Leineweber ist Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienkrankenhaus Hamburg. Auf ihrem Blog beantwortet „Doktor Ela“ viele Fragen, die Schwangere beschäftigen. Dabei liegt ihr ein Thema ganz besonders am Herzen: Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft.

Interview mit Elena Leineweber zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft

Elena, immer wieder hört man, dass „ein Gläschen Wein oder ein Schlückchen Sekt schon nicht schaden“ werden. Wie streng sollte man denn wirklich sein? 

„Ein großes Problem ist, dass wir Ärzte nicht genau sagen können, ab welcher Menge Alkohol es zur Schädigung des Babys kommt. Genau das ist auch der Grund dafür, dass Schwangere meiner Ansicht nach auf Alkohol verzichten sollten – und das ohne Ausnahme! Was noch gegen den einen Schluck spricht ist, dass aus einem Schluck in den meisten Fällen doch zwei oder drei werden. Wenn eine werdende Mama das öfters macht, dann ist es am Ende doch eine beachtliche Menge Alkohol. Wo soll dann die Grenze sein? Ich plädiere für 0,0 Prozent Alkohol in der Schwangerschaft. Nur so kann man ganz sicher sein, dass das Baby keine gesundheitlichen Schäden davon tragen muss.“

Und wie steht es um Genussmittel mit sehr geringen Mengen Alkohol, zum Beispiel Pralinen oder Torten mit Likör? 

„Ich würde es vermeiden. Ich sehe einfach nicht die Notwendigkeit – was hat man davon, wenn man eine Praline mit Alkohol isst? Ich denke, dann kann man auch darauf verzichten. Eine einzige alkoholhaltige Praline während der Schwangerschaft ist sicherlich nicht verheerend, aber wie beim Alkohol im Glas bleibt es oft nicht bei der einen Praline mit Alkohol.“

Was viele nicht wissen: Auch alkoholfreie Getränke können immer eine Restmenge Alkohol haben. Schwangere sollten immer auf die Kennzeichnung 0,0 Prozent auf dem Getränk achten – nur dann ist das Bier oder Alsterwasser wirklich alkoholfrei.

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Also: In der Schwangerschaft gilt absolutes Alkoholverbot. Aber ab wann sollte man auf Alkohol verzichten? Schon in der Planungsphase oder sobald man von der Schwangerschaft erfährt?

„Die meisten Frauen erfahren erst nach wenigen Wochen von der Schwangerschaft. Also ein relativ langer Zeitraum, in dem noch niemand was von dem Glück ahnt. Aber: Ab dem Moment, in dem zwischen Baby und Mama eine Verbindung über die Blutbahn besteht, wird der Alkohol übertragen, denn sie sind über den Mutterkuchen, die Plazenta, verbunden. Der Alkohol in der Blutbahn der Mama wird 1:1 in der gleichen Konzentration über die Nabelschnur zum Kind geleitet. Ganz egal in welcher Schwangerschaftswoche! Wenn man also aktiv plant schwanger zu werden, dann sollte man ab genau diesem Zeitpunkt keinen Alkohol mehr trinken.“

Die Vorstellung, dass unser Baby im Alkohol schwimmt, ist schon erschreckend. Noch schlimmer wird es, wenn man die Tatsache berücksichtigt, „dass dem Baby die Alkohol abbauenden Enzyme fehlen“, so Doktor Ela. „Das Baby kann den Alkohol nicht in der Form abbauen, in der es die Mama kann und ist ihm dadurch viel länger ausgesetzt.“ In Zahlen heißt dass: Die Mama baut 0,8 Promille innerhalb von acht Stunden ab. Der Embryo schwimmt darin ganze drei Tage.

Wenn sich eine Frau dazu entscheidet, während der Schwangerschaft Alkohol zu trinken, dann macht das Baby nach der Geburt einen Entzug durch – stimmt das? 

„Ja. Es kommt natürlich auch darauf an wie häufig und in welchen Mengen der Alkohol konsumiert wurde. Sobald eine werdende Mama aber regelmäßig trinkt, wird das Kind nach der Geburt einen Entzug durchmachen. Dass es für das Kind besser ist, wenn seine Mutter weiter trinkt oder den Alkoholkonsum nur verringert, damit das Baby während der Schwangerschaft keinen Entzug durchmachen muss, ist also Quatsch. Spätestens nach der Geburt wird es diesen Verzicht sowieso durchleben. Hier gilt: Je früher desto besser. Jeder Schluck Alkohol bedeutet für das Kind ein hohes gesundheitliches Risiko.

Foto: Bigstock

Spätestens jetzt ist also klar: Alkohol in der Schwangerschaft ist für den Fetus gefährlich. Die gesundheitliche Folge für das Baby ist bekanntlich oft FAS – das Fetale Alkoholsyndrom (engl.: FASD Fetal Alcohol Spectrum Disorder). 

Aber was ist FAS eigentlich genau?

„Das Fetale Alkoholsyndrom äußert sich durch körperliche und neurologische, also geistige, Veränderungen und Schädigungen. Man spricht von dem Vollbild vom FAS, wenn Kinder sowohl kognitive als auch sichtbare körperliche Veränderungen haben,“ erklärt Elena.

Sichtbare Auffälligkeiten sind zum Beispiel Gesichtsfehlbildungen, Kleinwuchs und Untergewicht. Sehr viel häufiger als diese äußerlichen Veränderungen sind neurologische Veränderungen vom Gehirn. Als größtes und empfindlichstes Organ des Embryos und Fetus ist es am stärksten angegriffen. Betroffene Kinder können langfristig in vielen Bereichen beeinträchtigt sein, zum Beispiel in ihrer Wahrnehmung, Konzentration oder Sprachentwicklung.

Und wie viele Kinder sind vom FAS in Deutschland betroffen? 

„Letztes Jahr waren es 300.000 betroffene Kinder. Und jedes Jahr kommen etwa 10.000 Kinder dazu. Von den 10.000 betroffenen Kindern weisen etwa 4.000 das Vollbild auf, sie leiden also unter kognitiven und körperlichen Veränderungen.

Was noch erschreckend ist: Alkoholkonsum von werdenden Mamas in der Schwangerschaft ist die zweithäufigste Ursache der nicht-chromosomalen Fehlbildungen bei Kindern. Auf Platz eins ist die Infektionskrankheit CMV (Zytomegalievirus-Infektion). Ich finde, dass das wirklich erschreckende Zahlen sind.“

Wie ist es nach der Schwangerschaft, wenn die Mama ihr Baby stillt. Gilt hier auch noch das absolute Alkoholverbot? 

„Im Prinzip ist es genau das Gleiche. Der Alkohol aus dem Blutkreislauf geht 1:1 in die Muttermilch über und so auch an das Baby. Grundsätzlich wird die Muttermilch ja nicht in der Brust gelagert – wenn der Alkohol also aus dem Blut der Mutter raus ist, dann ist auch die Muttermilch frei davon. Wenn die Mama also wieder nüchtern ist und abgepumpt hat, dann kann man auch davon ausgehen, dass in der Muttermilch kein Alkohol mehr ist. Trotzdem möchte ich auch hier allen Mamas ans Herz legen, auf Alkohol zu verzichten – dem Kind und seiner Gesundheit zu Liebe.“

Außerdem ist die Zeit, in der eine Mama ihr Kind stillt eine ganz besondere. Statt Party und klimpernden Gläsern steht hier erstmal schmusen und stillen auf dem Plan. Und das ist auch gut und wichtig so.

„Für den Notfall und um auf Nummer sicher zu gehen, gibt es Teststreifen die einem zeigen, ob in der Muttermilch noch ein Rest Alkohol enthalten ist. Das sollte aber wirklich nur eine Option für den Notfall sein und nicht dazu verleiten, in der Stillzeit regelmäßig Alkohol zu trinken!“

Du bist Botschafterin der Kampagne „Happy Baby – No Alcohol“ und unterstützt die Kampagne. Was genau steckt dahinter? 

„Happy Baby – No Alcohol“ ist eine Aufklärungskampagne, die von der Journalistin Dagmar Elsen ins Leben gerufen wurde. Die Idee dahinter ist, dass Thema präsenter zu machen und dem Problem einen Raum zu geben. Ziel ist natürlich, durch die Aufklärung Schwangere dazu zu bewegen, komplett auf Alkohol zu verzichten. Ich finde das ist eine tolle Sache. Und es ist so wichtig, denn viele Mamas wissen gar nicht, was sie ihrem Baby mit ,dem einen Schluck` wirklich antun.

Wir hoffen, dass Aufklärungskampagnen wie ,Happy Baby – No Alcohol` dazu führen, dass werden Mamas…., dass werdende Mamas auf Alkohol verzichten – ohne wenn und aber. Und wenn wir mal ehrlich sind: Ein Verzicht sollte das gar nicht sein, sondern eine Selbstverständlichkeit, denn du allein trägst die Verantwortung für die Gesundheit von deinem Baby.

Vielen Dank Elena für das spannende Interview!

Unsere Expertin Elena Leineweber

Miriam Ende

Elena Leineweber Foto: privat

 

Elena Leineweber ist Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienkrankenhaus Hamburg. Während ihrer Arbeit hat sie bemerkt, dass viele Schwangere Frauen immer wieder die gleichen Fragen und Probleme haben. Auf ihrem Blog Doktor Ela möchte sie ihnen zur Seite stehen, Antworten geben und Aufklärungsarbeit leisten. Das Thema Alkohol in der Schwangerschaft liegt ihr dabei besonders am Herzen. Ihre Botschaften verbreitet sie neben ihrem Blog auch über YouTube, Instagram und Facebook.

Wir danken Lisa Butschalowski für diesen Text!

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