Schwimmen ist eine Fähigkeit, die im Ernstfall Leben rettet – doch vielerorts fehlen Kurse, Bäder und bezahlbare Angebote. Ein Gastbeitrag von Alex Liefermann.

Inhalt dieses Artikels

    Ich bin Vater von zwei Söhnen, sechs und sechzehn Jahre alt. Mein älterer Sohn hat sein Seepferdchen mit sieben gemacht. Darauf bin ich bis heute stolz, weil ich weiß, wie viel Übung, Geduld und Vertrauen dafür nötig sind.

    Mein jüngerer Sohn steckt gerade mittendrin. Wir üben, so oft es geht. Dabei wird mir immer wieder klar, wie entscheidend sichere und bezahlbare Schwimmmöglichkeiten für Familien sind.

    Seit Jahren warnen Experten davor, dass immer mehr Kinder nicht sicher schwimmen können.

    Gleichzeitig verschwinden Schwimmbäder aus Städten und Gemeinden, Schwimmkurse sind oft monatelang ausgebucht und viele Eltern kämpfen um freie Plätze wie um begehrte Konzerttickets. Nur geht es hier nicht um Freizeitspaß, sondern um eine lebenswichtige Fähigkeit.

    Niemand würde ernsthaft behaupten, Kinder bräuchten keine Möglichkeit, sicher schwimmen zu lernen. Doch in der Praxis wird genau das für viele Familien zunehmend schwieriger.

    Schwimmen wird mehr und mehr zum Luxus

    Schwimmbäder schließen, Öffnungszeiten werden gekürzt und Kursplätze bleiben knapp. Statt das Problem zu lösen, scheint man sich vielerorts damit abgefunden zu haben.

    Besonders deutlich zeigt sich das bei den Kosten. Eintrittspreise steigen, Schwimmkurse werden teurer und viele Familien müssen inzwischen in andere Städte fahren, weil das örtliche Bad geschlossen wurde oder keine Kurse mehr anbietet.

    Hinzu kommen Personalmangel und ein erheblicher Sanierungsstau. Zahlreiche kommunale Schwimmbäder wurden über Jahre vernachlässigt, bis größere Schäden oder technische Probleme den Betrieb einschränken oder ganz unmöglich machen.

    Wasser kann Kindern viel Spaß machen, wenn sie sich sicher darin bewegen können.
    Wasser kann Kindern viel Spaß machen, wenn sie sich sicher darin bewegen können. Foto: Pexels

    Für viele Eltern wird Schwimmenlernen zur finanziellen Herausforderung.

    Während Vereinsangebote oft lange Wartelisten haben, kosten private Schwimmkurse nicht selten bis zu 300 Euro. Und weil jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernt, reicht ein Kurs oft nicht aus. Wer zwei oder drei Kursblöcke benötigt, zahlt schnell mehrere Hundert Euro, bevor das Seepferdchen überhaupt in Reichweite ist. Und dabei gilt: Kinder mit Seepferdchen können noch lange nicht richtig schwimmen.

    Umso wichtiger sind kostenlose oder stark vergünstigte Angebote von Städten, Schulen, Vereinen und der DLRG. Einige Kommunen fördern bereits Schwimmkurse oder übernehmen einen Teil der Kosten. Fachleute fordern seit Jahren, solche Programme auszubauen. Denn ob ein Kind schwimmen lernt, sollte nicht vom Wohnort oder vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

    Natürlich betrifft diese Entwicklung nicht alle Familien gleichermaßen.

    Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann häufig auf private Kurse, Vereinsangebote oder weiter entfernte Schwimmbäder ausweichen. Das ist aufwendig, aber machbar.

     

    Familien mit weniger finanziellen Möglichkeiten stehen dagegen oft vor deutlich größeren Hürden: fehlende Mobilität, starre Arbeitszeiten, mehrere Kinder gleichzeitig und Anmeldesysteme, bei denen freie Plätze innerhalb weniger Minuten vergeben sind.

    Das Ergebnis ist problematisch: Die Chancen, schwimmen zu lernen, hängen immer stärker von den Lebensumständen einer Familie ab. Dabei ist Schwimmen keine Freizeitaktivität wie ein Hobby oder ein Urlaubssport. Es ist eine grundlegende Fähigkeit, die Sicherheit schafft und im Ernstfall Leben retten kann.

    Nach Erhebungen des DLRG sind rund 58 % der Kinder am Ende der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer im Sinne des Bronze-Abzeichens.

    Politisch rückt das Thema häufig erst dann in den Fokus, wenn die Zahl der Badeunfälle steigt.

    Dann wird über die Bedeutung von Schwimmkursen gesprochen, bevor das Thema wenig später wieder hinter anderen Herausforderungen verschwindet. Für viele Familien ändert sich dadurch jedoch nichts. Die Wartelisten bleiben lang, die Kursplätze knapp.

    Natürlich tragen auch Eltern Verantwortung. Wer selbst sicher schwimmen kann, sollte sein Wissen und seine Erfahrung an die eigenen Kinder weitergeben. Gleichzeitig braucht es aber Rahmenbedingungen, die es Familien überhaupt ermöglichen, dieses Ziel zu erreichen. Denn nicht jede Familie hat die gleichen Voraussetzungen.

    Kinder brauchen die Chance, sicher schwimmen zu lernen – unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern verdienen oder wo sie leben. Eine lebenswichtige Fähigkeit darf nicht vom sozialen Hintergrund abhängen.

    Wenn ich meinen jüngeren Sohn beim Üben beobachte, wünsche ich mir vor allem eines: dass jedes Kind diese Chance bekommt. Nicht irgendwann, wenn ein Platz frei wird. Sondern dann, wenn es bereit ist, schwimmen zu lernen.

    Vielen Dank an Alex Liefermann für seine Meinung zum Thema und diesen Gastbeitrag. Wenn ihr mehr über Papa Alex erfahren möchtet, schaut gerne hier vorbei: @alexliefermann

    Hattest du selbst auch Probleme, einen Schwimmkurs für deine Kinder zu finden? Tausche dich gerne in den Kommentaren dazu aus!

    2 Kommentare

  1. User Avatar
    marie

    Ja, bei uns war es auch so. Wir haben den Kurs sehr früh begonnen, kamen aber nicht wirklich zum Abschluss, bis es dann plötzlich Klick gemacht hat und dann hatte meine Tochter das Seepferdchen. Ihre Schwester ist mit 4 Jahren schon Feuer und Flamme und steckt auch gerade im Kurs. Ich finde es auch unverhältnismäßig wie teuer die Kurse geworden sind. Ein Schwimmkurs sollte wirklich kein Luxus sein

  2. User Avatar
    Elisabeth

    Ich bin auch ein großer Fan von „Schwimmen lernen wenn das Kind bereit ist“. Ich kenne Familien, die haben über 2-3 Jahre in unzähligen Kursen versucht, ihr Kind zum Seepferdchen zu bringen. Sie haben zusammengerechnet und waren erstaunt, dass sie knapp 2000 € dafür ausgegeben haben. Statt zu warten bis sie merken, dass das Kind bereit ist und sich auch wirklich sicher im Wasser fühlt. Klar ist es Aufgabe der Eltern, das Kind mit dem Wasser zu gewöhnen, aber wenn ich überlege, wie viele Chancen anderen Kindern dadurch verwehrt wurden, weil die Plätze besetzt waren. Mein Sohn hat mit 6 das Seepferdchen gemacht und auch erst als er freiwillig eingefordert hat, schwimmen zu lernen. 

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