Stillen

„Liebe Hochzeitsgäste! Zum Stillen haben wir euch einen gemütlichen Bereich in der Toilette eingerichtet!“

Ceara traute ihren Augen kaum, als sie die Hochzeitseinladung der besten Freunde ihres Mannes in den Händen hielt. Die Mutter zweier Kinder (zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre und drei Monate alt) bekam nämlich mit der Einladung noch eine Notiz, die erklärte, dass sie auf der Hochzeit ihr Baby ausschließlich auf der Toilette stillen dürfe.

„Für alle Mamis, die stillen, wir denken an euch; wir wissen, dass ihr wahrscheinlich während unserer Party stillen müsst, darum haben wir einen passenden Ort für euch vorbereitet, an dem ihr euer Baby füttern könnt, damit ihr das nicht in der Öffentlichkeit vor unserer Familie und unseren Freunden tun müsst“, so die Einladung. Stattdessen sollten Mütter einen „bequemen und privaten“ Bereich „in der Frauentoilette“ benutzen. „Wir verlangen, dass ihr diesen Bereich nutzt, wenn ihr stillt. Danke.“

Diese unglaubliche Nachricht stellte Ceara – zunächst anonym – bei einer Facebook-Seite für stillende Mütter online. Dort zeigte sie auch, wie dieser Bereich aussah: zwei Klappstühle, keine zwei Meter von den Toilettenkabinen entfernt.

Dass dieser Post viral ging, ist nicht verwunderlich. Es sei eine bodenlose Frechheit der Braut, Mütter so zu behandeln, lautet der Tenor der meisten Kommentare. Stillende Mütter so zu diffamieren und zu diskriminieren, das kommt schlecht an bei der breiten Bevölkerung – zu Recht. Schließlich ist das Stillen die natürlichste Sache der Welt und sollte auch als solche angesehen werden.

Die Braut allerdings ist da anderer Meinung. Die 20-jährige Shelby wendete sich an die Medien, nachdem sie ihre Notiz in den Zeitungen und auf zahlreichen Facebook-Seiten sah. Dort versuchte sie, sich zu erklären, was nicht so ganz gelang: „Wir gingen oft zusammen aus, gingen Abendessen, verbrachten Halloween zusammen…. wir kamen immer gut miteinander aus. Bis sie anfing, Kinder zu bekommen und uns ständig ihr Stillen vor Augen halten musste“, erklärte sie in Interview mit der Hochzeitsplanerin Sandy Malone. „Und es ist nicht so, als hätten wir ein Problem damit, dass sie stillt, aber wir haben ein Problem damit, ihre Brust und ihren Nippel zu sehen. Das ist es, womit wir ein Problem haben.“

Sie hätte die Notiz darum an alle fünf Mütter gesendet, die in ihrem Bekanntenkreis stillen. Dass es darum so ein Drama geben würde, hätte sie nicht gedacht, sagt sie. Shelby sieht sich als Opfer, weil Ceara ihr nicht persönlich gesagt habe, dass sie ein Problem damit habe: „So behandelt man doch nicht seine Freunde. Wie würde sie sich fühlen, wenn das jemand ihr antun würde? Sie und ihren Ehemann im Internet und den Nachrichten verdammen? Es tut weh.“

Kommen wir nun zur Frage, warum Ceara überhaupt auf die Hochzeit ging, nachdem sie sich so über die Einladung geärgert hatte. Die Antwort ist relativ einfach: Sie hatte quasi keine Wahl. Denn es ging am Ende nicht um die Frauen, sondern um deren Männer. Cearas Mann ist seit über zehn Jahren mit Shelbys Mann befreundet und war dessen Trauzeuge.

Trotzdem – in den „Stillbereich“ wollte sich Ceara mit ihrem Baby nicht verbannen lassen: „Nie im Leben niemals werde ich rausgehen und mein Baby in der Toilette stillen. Ich esse nicht in der Toilette und ich füttere mein Kind auch nicht dort!“

Am Ende ließ sie – entgegen vieler Kommentare auf Facebook („Wenn ich du wäre, würde ich hingehen und während der Zeremonie meine Brüste auspacken und mein Baby den ganzen Tag dranhängen lassen!“) – ihre Kinder zuhause. Eine Freundin, die ebenfalls ein Still-Kind hat, kümmerte sich um die beiden und stillte auch das drei Monate alte Baby von Ceara. Denn dieses verweigerte die Flasche.

Ob die beiden Frauen sich immer noch zum Abendessen und Halloween sehen, ist nicht bekannt.

Wie findet ihr das denn? Rücksichtnahme hin oder her, aber die Vorgaben fürs Stillen schon direkt mit der Einladung zu verschicken…