Kinder

Manchmal vergesse ich, wie klein Du noch bist

Foto: Bigstock

Wenn du abends müde wirst, sich dein Däumchen in den Mund schleicht und du dein Gesicht an meiner Brust versteckst…

Wenn du mich nachts aus deinem Bett zu dir rufst und mir sagst, dass du Angst in deinem dunklen Zimmer hast…

Wenn du dich erschreckst und weinst, weil ich mal so richtig ärgerlich bin…

Wenn ich deine kleinen, weichen Hände betrachte und deinen Blick aus großen Augen sehe, der sich offen, freundlich und vertrauensvoll an die Welt richtet…

Dann wird mir bewusst: Du bist schon drei Jahre alt – und doch noch ganz klein. Und ich erwarte so oft viel zu viel von dir. Vernunft, Verständnis und all das. Werde manchmal ungerecht und zickig, streng und laut.

Wie zur Hölle kann ich bloß so ungeduldig mit dir sein, du bist doch immer noch mein Baby!?

Aber ich vergesse eben manchmal, wie klein du noch bist.

Und es ist wirklich leicht, dass zu vergessen. Denn wenn du mit der einjährigen Tochter deiner Patentante spielst, erklärst du ihr die Welt und schließt sie dabei wie eine Mama in deine Arme. Du streichst ihr ganz zart über die Haare, dein Blick ist dabei so liebevoll und voller Stolz.

Du gehst mit einem scheinbar unerschütterlichen Selbstbewusstsein durchs Leben und kannst schon so viele Dinge alleine tun.

Dein bezaubernder Dickkopf und deine manchmal wirklich cleveren Argumente können mich bei Diskussionen fast schachmatt setzen.

Wenn du zu Späßen aufgelegt bist, sprühst du nur so vor Energie. Foto: Bigstock

Du kannst schon so richtig witzig sein und dabei blitzt der Schalk aus deinen Augen.

In deinen Jeans siehst du schon so groß aus und nimmst beim Treppensteigen manchmal sogar zwei Stufen auf einmal.

Es ist tatsächlich so leicht, zu vergessen, dass du mich und meine bedingungslose Liebe immer noch so brauchst wie in deinen ersten Tagen.

Ich will es aber nicht vergessen. Ich will es wahrnehmen und genießen, denn viel zu schnell wirst du groß werden. Ein Kuss wird zur Seltenheit werden und du wirst dich eher deinen Freundinnen anvertrauen als mir. Ihr werdet über Dinge, die ich partout nicht verstehe, kichern und für (natürlich total beknackte) Jungs schwärmen. Ich werde nicht länger die Hauptrolle in deinem Leben spielen. Das ist genau richtig so – aber es wird mir trotzdem weh tun.

Im Schlaf erkenne ich immer noch das Baby in dir, das du mal warst. Foto: Bigstock

Heute habe ich dich beim Schlafen beobachtet: Dein zartes Gesicht, die kleine Stupsnase und die rosigen Wangen – ich habe mir versucht, all das genau einzuprägen. Denn du wirst nicht ewig so klein sein.

Nach der Kita warst du so müde. Ich habe dich ein Stück des Weges getragen, obwohl du prima laufen kannst. Aber: Du wirst nicht ewig so klein sein.

Jede Nacht schlüpftst du in Papas und mein Bett. Es ist nicht sehr groß und du machst dich so richtig breit. Wir rücken brav an die Kanten. Denn du wirst nicht ewig so klein sein.

Momente wie diese bewahre ich in meinem Herzen. Denn sie werden irgendwann enden – und dann werde ich mich fragen: Wieso ging es bloß so schnell, dass du nicht mehr klein bist?