Leben

Einsam und hilflos nach der Geburt: „Vergesst die Mamas nicht!“

Keine Frage: Die Geburt seines Kindes ist etwas Überwältigendes, etwas Wunderbares… Manche Mamas beschleicht danach aber trotz all der Liebe zu ihrem Kind und der unbeschreiblichen Freude zusätzlich ein hilfloses, ängstliches Gefühl. Jeder kümmert sich um ihre Neugeborenen, während sie selbst sich als selbstverständlich funktionierende Person (un)gesehen fühlen.

Keine Frage, natürlich ist ein Baby absolut auf Hilfe angewiesen, ganz bezaubernd und steht deshalb im Fokus – ob nun für das Krankenhauspersonal oder auch die Verwandtschaft und Freunde der Familie. Aber auch eine Mama hat jetzt eine ganz neue Rolle, in die sie sich erst hineinfinden muss. Und ist ebenfalls dankbar für jede Unterstützung.

Anneliese Lawton, Bloggerin und Schriftstellerin aus Kanada, hat dieses Gefühl kennengelernt. Die Mama von zwei Jungs (2 Jahre und 9 Monate) hat ihre Gefühle und Gedanken im Nachhinein auf ihrem Facebook-Account geteilt – und damit für großen Aufruhr gesorgt. Der Post wurde aktuell über 57000 mal geliked und über 43000 mal geteilt. Die fast 4500 Kommentare stimmen Anneliese zum Großteil zu diesen offenen Worten zu und bedanken sich.

 

Sie schreibt, sinngemäß übersetzt:

„Nachdem meine Jungs geboren wurden, gab es Termine…

Um ihr Trinken an meiner Brust zu überprüfen.

Um ihr Gewicht zu überprüfen.

Um ihr Gehör zu überprüfen.

Um die Hautfarbe auf Anzeichen von Gelbsucht zu überprüfen.

(…)

Ihr Wohlergehen stand im Vordergrund.

Ich würde sagen, wenn es nach unserem Gesundheitssystem geht, waren sie gut aufgehoben.“

Na, klar und das ist ja auch gut so, oder? Natürlich will Anneliese sich auch gar nicht darüber beschweren, dass ihre Jungs so gut versorgt wurden.

Nur:

„Dann war da noch ich.

Zum ersten Mal Mutter, ohne jede Ahnung.

Geschwollen, blutend und genäht.

Nach Hause geschickt mit einigen Schmerzmitteln und Stuhlweichmachern.

In die Mutterschaft geworfen mit der Erwartung, dass meine Instinkte sofort eintreten würden.

Dass ich mit Koliken und nächtlichem Füttern umgehen kann.

Dass das Stillen wie von der Natur beabsichtigt einfach klappen würde.

Dass mein Mann meine beginnende Wochenbett-Depression schon spüren würde.

Dass ich wusste, wie ich in meinem neuen und sehr fremden Körper leben sollte.

Dass ich mich mit diesem Bauch nicht abscheulich fühlen würde.

(…)

Niemand bemerkte es und kümmerte sich wirklich um mich.

Niemand hat meine Nähte, meine Heilung oder meinen Verstand bis acht Wochen nach der Geburt überprüft.

Und selbst dann war es nur wie ein aufmunternder Klaps auf den Rücken und ich wurde allein zurück auf den Weg geschickt.“

Annelies Anliegen: Auch Mamas brauchen eine ganze Menge Support, körperlich, aber vor allem auch seelisch. 

„Unsere Welt vergisst Mütter.

Wir schlüpfen durch die Ritzen hindurch.

Wir werden zu Hintergrundgeräuschen.

(…)

Leute, wir können Mütter nicht an die letzte Stelle setzen.

Unsere Babys brauchen uns.

Wir müssen gesund sein.

(…)

Es muss allen bewusst sein, dass sich die Mutterschaft, obwohl sie so etwas Natürliches ist, sich manchmal als die am wenigsten natürliche Rolle in unserem Leben anfühlt.

Und das verdient Aufmerksamkeit.

Mütter verdienen Aufmerksamkeit.

(…)

Wir müssen gesehen werden.

Wir müssen gehört werden.

Wir brauchen jemanden, der nicht nur fragt, ob wir in Ordnung sind, sondern immer und immer wieder nachschaut, nur um sich wirklich ganz sicher zu sein.

Wir sind nicht nur eine Gebärmutter.

Wir sind nicht nur eine Rettungsleine für die neue und wertvolle Seele.

Wir sind Mütter.

Und wir brauchen jemanden, der sicherstellt, dass auch wir in Ordnung sind.“

Wie habt ihr euch nach der Geburt gefühlt? Sicher, geborgen und gut beraten und betreut? Oder könnt ihr Annelieses Gefühle nachvollziehen?