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Wunde Brustwarzen beim Stillen – 10 Tipps, die sofort helfen!

Brustwarzenschutz gegen wunde Brustwarzen
Ein Brustwarzenschutz kann gegen wunde Brustwarzen helfen. Foto: bigstock

Ich habe es immer sehr genossen, meine Kinder zu stillen. Naja – fast immer. Denn in den ersten Tagen hatte ich bei beiden mit einem Problem zu kämpfen, das wohl viele Neumamas kennen: wunde Brustwarzen. AUA! Jedes Anlegen des Babys wurde zur Qual, weil es einfach so wehgetan hat. Als Folge habe ich mich total verspannt und vor jedem Andocken die Luft angehalten, weil mir davor graute. Zum Glück hat sich das Ganze relativ schnell gebessert, nach wenigen Tagen hatte sich die Brust ans Stillen gewöhnt, und es war nichts mehr wund.

Aber was können Mamas gegen wunde Brustwarzen beim Stillen tun? Wie kommt es überhaupt dazu? Sollte man lieber abstillen? Alle Infos zu wunden Brustwarzen und 10 Tipps, was du dagegen tun kannst, findest du hier.

Warum kommt es beim Stillen zu wunden Brustwarzen?

In den ersten Tagen nach der Geburt sind die Brustwarzen besonders empfindlich. Das Gewebe dehnt sich durch den Milcheinschuss stark, wird stärker durchblutet, die Drüsen sind angeschwollen, und durch das Saugen des Babys zusätzlich beansprucht. Häufig bessert sich das schon nach ein paar Tagen, und auch die Schmerzen verschwinden.

Die falsche Stillposition kann zu wunden Brustwarzen führen. Foto: Bigstock

Oft ist die Stillposition das Problem

Wenn du trotzdem weiterhin unter wunden Brustwarzen leidest, liegt das in den meisten Fällen daran, dass die Stillposition nicht optimal ist. Wenn dein Baby zum Beispiel nicht den komplette Brustwarenhof erwischt, sondern nur an der Spitze saugt, entsteht ein höherer Druck, und die Brustwarze verformt sich. Auch bei sogenannten Schlupfwarzen oder Flachwarzen kann es zu Stillproblemen kommen. Sprich in diesen Fällen am besten mit deiner Hebamme, damit sie dich dabei unterstützt, die für euch optimale Stillposition zu finden.

Zu viel oder zu wenig Milch beim Stillen

Es kann auch sein, dass zu schnell zu viel Milch aus deiner Brust sprudelt. Dein Baby versucht dann, die Menge der Milch zu reduzieren, indem es auf die Brustwarze drückt. Hier kann es helfen, vor dem Stillen ein wenig Milch auszustreichen oder abzupumpen.

Andererseits kann es passieren, wenn gerade am Anfang noch nicht viel Milch aus deiner Brust kommt, oder sie nur langsam fließt, dass dein Baby zu stark an der Brustwarze saugt. In diesem Fall kannst du versuchen, durch häufiges Anlegen oder sanfte Massagen die Milchmenge zu steigern. Falls du dein Baby gleichzeitig mit der Flasche fütterst, könnte es besonders am Anfang auch zu einer Saugverwirrung kommen, die dann wiederum ebenfalls für wunde Brustwarzen sorgt.

Brustwarzen zu feucht oder zu trocken

Ein weiterer Grund für Schmerzen beim Stillen kann eine zu hohe Feuchtigkeit sein. In den Stillpausen läuft oft ein wenig Muttermilch aus. Sammelt die sich in deinem BH, kommen auch die Brustwarzen damit in Berührung, die durch die Reibung gereizt werden. Außerdem können sich Bakterien oder Pilze bilden. Hier helfen dir Stilleinlagen weiter, am besten entscheidest du dich für eine Variante ohne Plastikfolie, da damit auch ausreichend Luft an deine Brustwarzen kommt. Viele Hebammen empfehlen Stilleinlagen aus Seide und Wolle.

Auch zu trockene Haut kann zu schmerzenden Brustwarzen führen. Deshalb solltest du sie am besten nicht mit Seife waschen und auch keine alkoholischen Reinigungsmittel verwenden. 

Zwei Tipps noch: 
Wenn dein Baby beim Stillen noch nicht fertig ist mit dem Trinken, nimm es, wenn möglich, auch noch nicht von der Brust weg. Dadurch wird die Brustwarze nämlich ebenfalls stark beansprucht.

Solltest du länger unter schmerzenden Brustwarzen leiden, oder sollten sie sich sogar entzünden, lass bitte unbedingt deine Frauenärztin einmal darauf schauen, um auszuschließen, dass es sich um einen Pilz oder eine Infektion handelt.

10 Tipps gegen wunde Brustwarzen beim Stillen

1. Überprüfe die Stillposition

Der erste Tipp klingt fast zu einfach, ist aber auch der wichtigste: Wenn du länger als ein paar Tage Schmerzen beim Stillen hast, deine Brustwarzen bluten, oder du sogar darüber nachdenkst, abzustillen – liegt es in den meisten Fällen an der falschen Stillposition. Sprich am besten mit deiner Hebamme, damit sie kontrolliert, ob du dein Baby beim Stillen richtig anlegst und es richtig saugt. Alternativ kannst du auch zu einer Stillberatung gehen. Die wird in vielen Städten von ausgebildeten Stillberaterinnen kostenlos angeboten. Denn auch, wenn deine Brustwarzen stark schmerzen, ist Abstillen in den allermeisten Fällen nicht notwendig.

Bei wunden Brustwarzen hilft es oft schon, die Stillposition zu überprüfen. Foto: Bigstock

2. Muttermilch hilft bei leicht wunden Brustwarzen

Sind deine Brustwarzen nur etwas wund, und du hast verhältnismäßig leichte Schmerzen, kannst du es zunächst mit Muttermilch versuchen. Reibe dafür deine Brustwarzen nach dem Stillen vorsichtig mit etwas Muttermilch ein und lass sie trocknen. Durch die antibakterielle Wirkung heilen die wunden Brustwarzen häufig relativ schnell.

3. Wunde Brustwarzen feucht halten

Wie oben schon geschrieben, ist trockene Haut häufig ein Grund dafür, dass deine Brustwarzen schmerzen. Deshalb solltest du sie in den Stillpausen am besten etwas feucht halten. Dafür am besten geeignet sind spezielle Cremes und Salben, die du in der Apotheke bekommst. Sie verzichten auf schädliche Zusatzstoffe und sind völlig unbedenklich für dein Baby. Das heißt, du musst sie vor dem nächsten Anlegen nicht abwaschen.

4. Benutze einen Brustwarzenschutz

Verschiedene Hersteller bieten einen speziellen Brustwarzenschutz an, den du in den Stillpausen in den BH legen kannst. Er passt sich deiner Brust an und verhindert, dass deine Kleidung an den wunden Brustwarzen reibt und sie somit noch mehr reizt. Es gibt zum Beispiel elastische Schalen aus weichem Kunststoff für die gesamte Brust, kleine Metallhütchen oder auch Ringe, die direkt um die Brustwarzen gelegt werden.

Alternativ kannst du dir auch relativ einfach einen Brustwarzenschutz selbst machen: Wickle dafür eine halbe Mullbinde um die Finger einer Hand und falte sie danach zu einem Ring. Die andere Hälfte wickelst Du wie eine Spirale um den Ring herum und klebst das Ende mit einem Pflaster fest.

Zu kompliziert? Das Video hier zeigt dir, wie es geht:

5. Salbe für wunde Brustwarzen

Gegen meine Beschwerden hat eine Brustwarzen-Salbe sehr gut geholfen, die ich im Krankenhaus direkt nach der Geburt bekommen habe. Sie war aus Lanolin, das ist gereinigtes Wollwachs. Lanolin ist zum Beispiel ein geeigneter Stoff, um die Brustwarzen feucht zu halten. Es nimmt die Feuchtigkeit erst einmal auf und gibt sie dann nach und nach wieder ab. Salben mit Lanolin bekommst du von verschiedenen Herstellern in der Drogerie oder Apotheke.

In der Apotheke bekommst du auch reines Wollwachs, wenn du keine Salbe verwenden möchtest. Das solltest du allerdings vor dem Stillen abwaschen, die Reste der Salbe kannst du bedenkenlos drauf lassen.

6. Heilwolle kann deinen wunden Brustwarzen helfen

Eine Alternative zur Brustwarzensalbe mit Wollwachs ist Heilwolle. Das ist die Wolle des Schafs, aus der das Wachs noch nicht herausgefiltert wurde. Sie wurde gereinigt und hat von Natur aus einen hohen Gehalt an Lanolin. Du kannst sie direkt auf deine wunden Brustwarzen legen, solltest nur daran denken, die rechtzeitig und regelmäßig zu wechseln, damit es nicht zu Infektionen kommt. Und falls dein Baby einen wunden Po hat, kannst du die Heilwolle auch wunderbar in die Windel legen. Heilwolle bekommst du in der Drogerie oder Apotheke.

7. Brustwarzen-Kompressen

Was du auch gut auf deine schmerzenden Brustwarzen legen kannst, sind Kompressen aus warmem Wasser. Manchmal wird dafür auch schwarzer Tee empfohlen. Der kann allerdings einen bitteren Geschmack auf deinen Brustwarzen hinterlassen – und das schmeckt deinem Baby vermutlich nicht besonders gut. 

In der Drogerie bekommst du außerdem auch sogenannte Hydrogelkompressen. Die klebst du in den Stillpausen auf deine Brustwarzen, und sie wirken kühlend und schmerzlindernd.

Wichtig ist, dass du dir vor dem Auflegen die Hände wäschst, die Reste des Gels vor dem Stillen abwäschst, und darauf achtest, ob sich deine Haut rötet. Dann solltest du die Brustwarzenkompresse wieder entfernen. Außerdem ist es wichtig, die kompressen regelmäßig zu wechseln.

Achtung: Beim Ablösen unbedingt ganz vorsichtig sein, sonst kann die empfindliche Haut einreißen.

8. Wunde Brustwarzen lasern

Viele Krankenhäuser bieten inzwischen eine sogenannte Low-Level-Laser-Therapie gegen wunde und schmerzende Brustwarzen an. Sie dauert nur wenige Minuten und ist komplett schmerzfrei. Die hohe Energie des Lasers kurbelt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und lindert die Schmerzen. Gleichzeitig wird die körpereigene Wundheilung unterstützt, denn die Laserbehandlung wirkt entzündungshemmend und abschwellend. Du kannst dir die Brustwarzen direkt nach der Geburt lasern lassen, dich aber auch später noch für die Behandlung entscheiden.

Übrigens: Low-Level-Laser können auch bei Milchstau und Geburtsverletzungen eingesetzt werden.

9. Im Notfall können Stillhütchen helfen

Ein weiteres, jedoch etwas umstrittenes Mittel gegen Schmerzen beim Stillen sind sogenannte Stillhütchen. Bei meiner Tochter habe ich direkt im Krankenhaus welche bekommen, weil Anlegen und Trinken einfach nicht geklappt haben. Mit den Hütchen ging es dann besser, und wir haben sie eine lange Zeit noch benutzt – allerdings nur nachts. Stillhütchen werden über die Brustwarzen gelegt und lösen mit ihrer ausgeprägten Brustwarzenform den Saugreflex des Babys aus. Das Baby braucht weniger Kraft, um die Milch aus der Brust zu bekommen, was gleichzeitig deine Schmerzen reduziert. Außerdem findet kein direkter Hautkontakt zwischen Babymund und Brustwarze statt, sodass Wunde stellen besser heilen können.

Allerdings warnen Hebammen und Stillbefürworter oft davor, Stillhütchen zu schnell zu benutzen. Wenn das falsche Anlegen der Grund für die Schmerzen beim Stillen ist, ändert sich die Ursache nämlich nicht. Wenn dein Baby direkt im Krankenhaus das Trinken an Stillhütchen lernt, kann es passieren, dass es auch später nicht mehr ohne diese an deiner Brust trinken will oder kann. Angeblich kann es auch sein, dass die Brust nicht richtig entleert wird, wenn du Stillhütchen benutzt. Das hätte zur Folge, dass Deine Brust weniger Milch produziert. Es empfiehlt sich also auf jeden Fall, erst mit deiner Hebamme oder einer Stillberaterin zu sprechen, ob es vielleicht eine andere Lösung für deine wunden Brustwarzen gibt.

10. Schmerzmittel für den Notfall

Schmerzmittel in der Stillzeit? Bloß nicht! Habe ich ehrlich gesagt auch lange Zeit gedacht. Wenn du aber solche Schmerzen in den Brustwarzen hast, dass das Stillen für dich zur Qual wird, oder du sogar abstillen möchtest, dann darfst du – nach Absprache mit deinem Arzt oder deiner Hebamme – Ibuprofen nehmen. Der Wirkstoff geht nur in so minimalen Mengen in die Muttermilch über, dass er sich nicht einmal richtig nachweisen lässt. Vielleicht kannst du so die ersten, schmerzvollen Tage überbrücken und dann die Stillbeziehung mit deinem Baby genießen.

30 % aller Mamas leiden unter wunden Brustwarzen

Denk dran – du bist nicht allein. In den ersten Tagen haben die meisten Mamas mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Bei ganzen 30 % halten die Schmerzen in den Brustwarzen sogar länger an. Trotzdem wäre es schade, aus diesem Grund direkt abzustillen, dafür ist diese Nähe zwischen dir und deinem Kind doch eigentlich viel zu schön, oder? Ich hoffe, die Tippe haben dir ein wenig geholfen, und du kannst das Stillen bald wieder genießen!

Du hattest auch wunde Brustwarzen beim Stillen und hast den ultimativen Tipp dagegen? Dann erzähl uns und den anderen Mamas in der Community doch davon!