Leben

Werbung mit stillender Mama sorgt für Diskussionen.

Katjes wirbt mit stillender Mama
Foto: Katjes

Beim Scrollen durch meine Facebook-Timeline ist mir vor ein paar Tagen das Bild einer stillenden Mama aufgefallen. An sich nichts Besonderes, aber diese Mama gehörte zur Werbekampagne eines großen Fruchtgummiherstellers, nämlich Katjes. Mein erster Gedanke war, was haben bitte Gummibärchen und Co. mit einer stillenden Mama zu tun?

Stillende Mama als Motiv finde ich super – und mutig

Na klar darf man in der Stillzeit auch mal naschen, aber wirklich gesund sind die kleinen Zuckerbomben ja trotzdem nicht. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich auch öfter zu Fruchtgummis gegriffen habe, als ich es eigentlich wollte. Und das waren tatsächlich fast immer Katjes-Produkte – weil ich Vegetarier bin und es toll finde, dass hier komplett auf Gelatine verzichtet wird.

Genau das ist auch der Punkt für die Werbung: Ansprechen soll sie nämlich „Frauen mit und ohne Kinder, sich gern bewusst ernähren und deshalb beim Naschen auf tierische Zusatzstoffe wie Schweinegelatine verzichten wollen“. Dass dafür eine stillende Mama als Motiv eingesetzt wird, finde ich ehrlich gesagt super – und mutig. Denn dass es zu Diskussionen führen wird, ist eigentlich klar, auch wenn ich den Grund dafür nicht verstehen kann.

Warum ist Stillen immer noch so ein Aufreger?

Wie viele Geschichten habe ich von Mamas gelesen, die in Cafés, Bussen, Restaurant und Co. gebeten wurden, auf das Stillen zu verzichten oder sogar den Raum zu verlassen? Unfassbar. Schließlich geht es nicht darum, seine nackten Brüste zu zeigen, und auch um nichts Sexuelles – sondern einfach nur darum, sein Kind zu füttern, wenn es Hunger hat. Warum regen sich (so viele) Menschen über etwas auf, das eigentlich das Natürlichste der Welt sein sollte?

Stillen sollte eigentlich das Natürlichste der Welt sein. Foto: Bigstock

Katjes will auf Doppelmoral aufmerksam machen.

Das sieht offenbar auch Katjes so. „Mit dem neuen Motiv greifen wir eine aktuelle Diskussion auf und beziehen Stellung. Es ist das älteste und normalste der Welt sein eigenes Kind zu stillen. Und auch in der Öffentlichkeit sollte das völlig ok sein“, sagt Tobias Bachmüller, Geschäftsführender Gesellschafter von Katjes.

Nackte Haut sei in der Öffentlichkeit und Werbung total akzeptiert. Wenn eine Mutter dagegen öffentlich ihr Kind stille, rümpften viele die Nase und beschwerten sich. Mit dem Hashtag #achtemaldrauf“ will Katjes auf diese Doppelmoral aufmerksam machen. Und das finde ich super! Genauso wie die Tatsache, dass für die Kampagne die größte Plakatfläche Deutschlands gebucht wurde: Seit Anfang Oktober hängt ein riesiges Plakat der stillenden Mama am Berliner Alexanderplatz und wird mit Sicherheit zu der ein oder anderen Diskussion führen.

Reaktionen auf Stillmotiv: mutig, pfiffig, abstoßend.

Diskutiert wird natürlich auch auf der Katjes-Facebookseite. Einige Nutzer finden das Motiv genauso toll wie ich: „Mutig und pfiffig! In einer Zeit in der jeder meint, sich über Frauen und deren Körper auslassen zu müssen – ein Signal zur Natürlichkeit? Wenn ihr von Katjes jetzt noch am Zuckergehalt eurer Süßwaren arbeiten könntet…“

Bei anderen stößt das Motiv auf Unverständnis oder sogar heftige Ablehnung: „WAS will mir dieses Bild sagen? MUSS man jetzt auf Teufel komm raus überall Stillfotos drauf setzen? KOMMT Ihr nicht auf die Idee, dass das auf einen Großteil Eurer Kundschaft abstoßend wirkt? Also für mich ein Grund, dieses Produkt ganz gewiss nicht mehr zu kaufen.“ Außerdem wird sich über die „nackte Brust“ beschwert – die im Übrigen gar nicht zu sehen ist. Denn wer genau hinsieht, erkennt, dass es sich um den Hinterkopf des Babys handelt, der die Brust der Mama fast komplett verdeckt.

Kampagne trifft offenbar einen Nerv

Für mich ehrlich gesagt erschreckend, dass sogar Frauen das Motiv als „unpassend“ oder sogar „abstoßend“ bezeichnen. Auch wenn der Großteil der Reaktionen zum Glück positiv ist. Aber es zeigt doch, dass Katjes mit der Kampagne offensichtlich einen Nerv getroffen hat, oder wie es auch eine Nutzerin zusammenfasst: „Sehr gut! Anhand der Kommentare hier sieht man mal , wie schlecht die Aufklärung ist. Macht weiter so! Meinen Daumen habt Ihr auf jeden Fall für diese Kampagne!“

Passend zu Weltstillwoche und Brustkrebsmonat

Auch der Zeitpunkt der Kampagne ist super gewählt: Am 1. Oktober sind nämlich sowohl die Weltstillwoche als auch der internationale Brustkrebsmonat gestartet. Und wenn man verschiedenen Studien glaubt, haben Frauen, die ihr Kind eine bestimmte Zeit lang stillen, ein niedrigeres Risiko für Brustkrebs.

Ich für mich kann nur sagen: Meine beiden Kinder zu stillen, was für mich vollkommen normal, egal, wo wir gerade waren. Schließlich kann man es in den meisten Fällen auch so machen, dass nicht gleich für jeden die komplette Brust zu sehen ist. Und ich habe die Nähe zwischen uns, die dabei entstanden ist, sehr genossen. Deshalb finde ich die Kampagne von Katjes super!