Leben

Diese 10 Dinge sollten wir vermeiden, wenn wir unsere Kinder stark machen wollen

Gruppe fröhlicher Kinder
Gruppe Kinder / Foto: Bigstock

Wir wünschen unseren Kindern ein wundervolles, glückliches Leben. Auch für die Zeit, wenn unsere „Babys“ plötzlich (scheinbar über Nacht!) groß geworden sind und wir in ihrem Alltag nicht mehr länger die Hauptrolle spielen werden. Das Beste, was wir ihnen dafür mitgeben können, ist mentale Stärke.

Diese wird sie nicht vor Rückschlägen oder Situationen voller Selbstzweifeln bewahren – sie gibt ihnen aber die Kraft, wieder aufzustehen und in schwierigen Phasen weiterzumachen. Den Mut, ihren Weg zu machen und ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Um unseren Kindern mentale Stärke zu schenken, gibt es einige Erziehungs-Klassiker, auf die wir besser verzichten sollten. Denn sie vermitteln unseren Schätzen im Alltag genau das, was sie ihrer Selbstsicherheit berauben kann.

Und das sollten wir sein lassen, wenn wir glückliche, starke Persönlichkeiten aufziehen wollen:

1. Perfektion erwarten

Es ist ganz normal, dass wir möchten, dass unsere Kinder in der Schule oder auch bei Hobbys, bei denen es darauf ankommt, nicht schlecht abschneiden. Nicht zuletzt für das gute Gefühl, das es ihnen gibt. Zu erwarten, dass sie in allem so richtig super sind, ist allerdings kontraproduktiv. Das muss ja schiefgehen! Ermuntern wir unsere Kinder, die beste Version von sich selbst zu werden – und nicht die Besten von allen! Es ist total in Ordnung, auch mal zu versagen. Und es ist total in Ordnung, ganz normal statt supergut zu sein!

2. Kindern die Macht über uns geben

Zum Glück ist inzwischen in den Köpfen angekommen, dass auch kleinere Kinder „vollwertige“ Menschen sind und wir ihnen in vielen Dingen auf Augenhöhe begegnen sollten. Schwierig kann es allerdings werden, wenn wir die Fäden ständig aus der Hand geben: Wohin geht der Familienurlaub? Wie sieht der Speiseplan für die komplette kommende Woche aus? Wie lange darf es am Tag Fernsehschauen? Solche Fragen geben Kindern eine „Macht“, der sie noch nicht gewachsen sind. Sie sind in ihrer Entwicklung tatsächlich noch nicht so weit, als dass sie diese Entscheidungen treffen können. Und dieses Fehlen von Halt und einer vorgegebenen Fahrtrichtung beraubt sie ihrer mentalen Stärke. Wir müssen unseren Kindern die Möglichkeit geben, zu üben. Kleinere Entscheidungen sind dafür toll, sie stärken das Selbstbewusstsein und zeigen: Du bist in dieser Familie wichtig. Gleichzeitig musst du aber auch Dinge tun, die dir nicht so gefallen und Dinge hören, die du nicht hören möchtest.

3. Kinder im Selbstmitleid bestärken

Ein Fußballspiel ist verloren oder der Mathetest total vergeigt? Das ist echter Mist. Aber auch kein Weltuntergang. Wenn wir unsere Kinder in so einer Situation in ihrer Oferrolle bestärken, prägt sie das. Versagen und Ungerechtigkeit gehören zum Leben leider dazu. Natürlich sollen wir zuhören und trösten, ganz klar – aber danach geht es ans Aufbauen. Es gibt immer etwas Positives an der Situation, was kann das Kind beispielsweise daraus lernen? Nächstes Mal wird alles besser laufen!

Weint unser Kind vor Enttäuschung, möchten wir mitweinen. Bauen wir es doch lieber auf! Foto: Bigstock

4. Uns durch Schuldgefühle leiten lassen

Bestimmt hat sich jede Mama schon einmal schuldig gefühlt. Wir haben unangemessen laut geschimpft, wir haben unser Kind ewig warten lassen, weil wir ausgiebig mit einer Freundin telefonieren mussten, wir haben uns am Nachmittag ziemlich viel mit unserem Handy beschäftigt… Es gibt unzählige Situationen, die uns ein schlechtes Gewissen machen, ob es nun angebracht ist oder nicht. Wir sollten uns bei unseren Kindern dafür entschuldigen. Wir sollten allerdings nicht spürbar vor lauter Schuldgefühlen umkommen, unsere Kinder mit Entschuldigungs-Süßigkeiten überhäufen oder im Anschluss alles erlauben, um unser Gewissen zu erleichtern. Die Botschaft, die dadurch bei unseren Kindern ankommt: Schuldgefühle sind unerträglich, auch kleinere Fehler sind eine große Katastrophe. Es wird ihnen später nur schwer gelingen, jemandem eine Bitte abzuschlagen – ob sie wollen oder nicht.

5. Kinder zum Mittelpunkt unseres Universums machen

Kinder brauchen unsere Aufmerksamkeit und Liebe, unsere Fürsorge und auch unsere Anerkennung. Das ist selbstverständlich. Wenn sich unser Leben allerdings nur noch um sie dreht, fühlt sich das sicher gut an – für den Moment. Sie wachsen aber mit dem Eindruck auf, dass sie der Nabel der Welt sind und sich jeder nur um sie kümmern sollte. Die Gefahr ist groß, dass aus ihnen ziemlich selbstverliebte Erwachsene werden, die keinen Finger rühren, um anderen ein gutes Gefühl zu geben. Und diese Menschen hat dann kaum noch jemand gern. Sie werden scheitern, wenn nicht ein anderer die Widerstände des Lebens für sie aus dem Weg räumt.

6. Kindern alles Unangenehme abnehmen

Wir würden unseren Kleinen so gerne alles abnehmen, vor dem sie sich fürchten. Aber wir können das ja nicht ihr Leben lang tun! Deshalb tun wir ihnen auf lange Sicht hin keinen Gefallen, wenn wir ihr Eis bestellen, weil sie sich nicht trauen oder wir den anderen Kindern sagen, dass unser Kind jetzt bitte wider selbst mit seinem Spielzeug spielen möchte. Es muss in kleinen Schritten lernen, dass man seine Angst überwinden kann – wenn man nur seine Komfortzone verlässt.

7. Jedes „negative“ Gefühl seines Kindes vertreiben

Wir alle sind glücklich, wenn unsere Kinder es sind. Darum sind wir so versucht, sie zum Lachen zu bringen, wenn sie weinen. Sie abzulenken, wenn sich ein Wutabfall anbahnt. Sie sofort zu beruhigen, wenn sie ärgerlich sind. Damit übernehmen wir allerdings die Verantwortung, ihre Gefühle zu regulieren. Und nehmen ihnen die Chance, die ganze Palette an menschlichen Gefühlen kennenzulernen. Natürlich sind wir zum Trösten und Anlehnen da, aber wir müssen unsere Kinder lernen lassen, mit ihren Emotionen umzugehen.

8. Kinder vor Fehlern bewahren

„Hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?“ „Sind deine Sportsachen gepackt?“ „Soll ich nochmal über deine Mathe-Aufgaben gucken?“ Wir tun alles, um unsere Kinder vor Fehlern und Versäumnissen zu bewahren. Und vor allem vor deren Konsequenzen. Manchmal ist aber ein Rüffel vom Lehrer die beste Lehre. Lassen wir unsere Kinder kleine „Fehler“ machen und zeigen ihnen dann, was sie daraus lernen können.

9. Strafen statt Konsequenzen einsetzen

Oftmals ein schmaler Grad, aber wir sollten Kinder mit Konsequenzen konfrontieren, statt sie zu bestrafen. Kinder, die funktionieren, weil sie Angst haben, in Schwierigkeiten zu geraten, sind ganz sicher nicht gewappnet für eine selbstbewusste Zukunft. „Wenn du dich jetzt nicht anziehst, schaffen wir es nicht mehr auf den Spielplatz.“ oder „Wir essen erst zu Abend, wenn du die Spielsteine weggeräumt hast.“ ist etwas ganz anders als „Wenn du jetzt nicht aufhörst, bleibst du erstmal alleine in deinem Zimmer – mit Tür zu!“.

10. Anstrengende Situationen abkürzen

Natürlich neigen wir dazu, einem jammernden Kind nachzugeben oder nach dem dritten Bitten schnell selbst aufzuräumen. In diesem Moment machen wir uns, aber auch unseren Kindern damit das Leben leichter. Aber auf lange Sicht vermitteln wir damit ein ungünstiges Weltbild. Bringen wir ihnen lieber bei, dass sie manches tun müssen, auch wenn es doof ist – und dass sie die Stärke haben, durchzuhalten.

Diese Punkte und das Gefühl, dass wir sie uneingeschränkt lieben – das ist das Geheimnis mental starker Kinder. Die zu glücklichen, selbstständigen Erwachsenen werden.