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Schlupfwarzen: Wie mich Stillhütchen und ein Profi-Tipp gerettet haben

Foto: Bigstock

Kurz vor der Geburt meiner Tochter fühlte ich mich bestens vorbereitet. Ich hatte einen Geburtsvorbereitungskurs besucht und eine erfahrene Hebamme für die Nachsorge gefunden. Ich hatte am Tag der offenen Tür den Kreißsaal besichtigt, war dort angemeldet und hatte sogar schon eine der Klinikhebammen bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur kennengelernt.

Auch die Geburt lief super und ich fühlte mich einfach nur unendlich glücklich und dankbar, als ich endlich mein gesundes Baby in den Armen hielt.

Sie kam spätabends zur Welt und ich durfte sie gleich im Kreißsaal das erste Mal anlegen. Dann kam die Nacht und mein kleines Wunder und ich versuchten, uns ein wenig von der Geburt zu erholen. Sie schlief auch friedlich und ich lag neben ihr, mal schlummernd, mal staunend mein Baby bewundernd.

Der erste Tag

Sehr früh am nächsten Morgen sollte ich sie dann wieder anlegen. Die Stationsschwester half mir dabei. Doch irgendwie hatte ich mir das Alles anders vorgestellt. Die Schwester drückte und zerrte an meiner Brust und stopfte sie meiner Tochter in den Mund. Trotz (oder wegen?) der beherzten Griffe klappte es nicht. Es kam so gut wie keine Vormilch und meine Kleine bekam meine Schlupfwarzen nicht richtig zu fassen. Stattdessen spürte ich schon nach ein paar Versuchen, wie meine Brustwarzen empfindlicher wurden und ich innerlich und äußerlich verkrampfte.

Das wurde natürlich nicht besser, als nach jedem Schichtwechsel eine andere Schwester mit anderen Tipps kam. Meine Zweifel und Verunsicherung wurden nur immer größer. Nicht gerade eine gute Voraussetzung, denn mit der Anspannung wollte die Milch erst recht nicht so richtig fließen. Zum Glück war meine Tochter genügsam und gab sich erst einmal mit dem bisschen zufrieden, was sie bekam. Nährstoffwunder Kolostrum sei Dank!

Der zweite Tag

Am zweiten Tag spürte ich, wie meine Brüste spannten – der Milcheinschuss war da. Meine Schlupfwarzen waren bereits kurz davor, richtig wund zu werden, doch mit der prallen Brust bereitete es meiner Tochter noch mehr Schwierigkeiten, sie richtig zu packen und in den Mund zu bekommen.

Eine Schwester brachte mir deshalb StillhütchenSie waren aus weichem, dünnem Silikon und simulierten wie ein Saugaufsätze auf Fläschchen einen Nippel, der sich wunderbar in das kleine Mündchen meiner hungrigen Tochter schmiegte. So entstand ein viel besserer Sog, der nicht nur den Milchspendereflex auslöste, sondern auch meine Schlupfwarzen hervorlockte. Außerdem wurden durch die Stillhütchen meine Brustwarzen geschont, so dass es nicht mehr so weh tat.

Der dritte Tag

Als wir am dritten Tag entlassen wurden, war ich also gut ausgestattet. Doch so richtig klappen wollte es zuhause trotzdem nicht. Meine Tochter war nun richtig hungrig geworden und weinte. Doch ohne die Hilfe der Schwestern bekam ich es trotz Stillhütchen nicht hin, sie richtig anzudocken.

Schließlich kam am späten Nachmittag meine Hebamme, der ich von meinen Schwierigkeiten erzählte. Inzwischen war ich völlig verkrampft und machte mir Vorwürfe, dass ich so versagte. Ich dachte doch, gut vorbereitet zu sein, und jetzt konnte ich nicht mal mein Kind ernähren. So ging es mir durch den Kopf und die Hormonumstellung nach der Geburt verstärkte meine dunkle Stimmung noch.

Die wurde natürlich nicht gerade besser, als meine Hebamme offen sagte, sie halte nicht viel von den Stillhütchen, weil die beim Kind zu einer Saugverwirrung führen könnten, so dass es am Ende die Brust nicht mehr ohne nimmt.

Aber die Stillhütchen waren doch meine große Hoffnung! Ich war nun völlig hin- und hergerissen. Eine Saugverwirrung wollte ich natürlich nicht provozieren. Aber mit meinen Schlupfwarzen klappte es ohne einfach nicht. Meine Hebamme spürte offenbar meine Verzweiflung und riet mir, die Stillhütchen erstmal beizubehalten und sie später schrittweise abzugewöhnen, wenn wir den Dreh erst mal raushatten.

Foto: Bigstock

 

Die Tipps meiner Hebamme

Dann zeigte sie mir noch einmal, worauf es beim Stillen im Wiegegriff genau ankam: Gut mit (Still-)Kissen auspolstern für eine entspannte Haltung, das Kind parallel zu meinem Oberkörper halten, so dass Köpfchen und Hüfte ein Linie bilden; das Köpfchen nicht überstrecken. Und siehe da, mit ihrer Hilfe klappte es wieder. Mit Stillhütchen, aber es klappte. Und mit jedem Versuch danach wurde es noch ein wenig besser.

Um es meiner Tochter noch einfacher zu machen, riet sie mir, unmittelbar vor dem Stillen warme Umschläge auf die Brust zu geben und mit einer Milchpumpe anzupumpen. So könnte ich den Milchspendereflex auslösen und meine Tochter gleich lostrinken.

Warum nicht mal eine Milchpumpe ausprobieren? Foto: PR

Ich benutzte dafür eine kleine Handpumpe, die mir gute Dienste leistete, auch wenn eine dieser modernen, elektrischen Milchpumpen inzwischen ja sogar die Brust massieren. Sie verschaffte mir in den ersten Wochen auch dann Erleichterung, wenn ich im Morgengrauen mit Superbrüsten aufwachte. Ich begann auch, meine Milch abzupumpen und einzufrieren, wenn meine Kleine nicht alles geschafft hatte.

Elektrische „Ultra Comfort“- Milchpumpen von Philips Avent, ca. 99 Euro. Foto: PR

Die erste Nacht

Nach dem mühsamen ersten Tag zu Hause, der sich dank meiner kleinen Stillerfolge doch noch zum Guten wendete, folgte schließlich die erste Nacht. Meine Kleine lag im Beistellbett neben mir und schlief. Nach ein paar Stunden meldete sie sich mit Hunger. Ich brauchte Licht, um die Stillhütchen gut anbringen zu können, und fand im Bett keine gute Position. Also nahm ich meine Tochter und ging mit ihr aufs Sofa, wo ich eine kleine Lampe anmachte.

Dort klappte es wunderbar und mein Engelchen schlief direkt wieder ein. Ich blieb mir ihr auf dem Sofa und schlummerte mal mehr mal weniger tief neben ihr bis zum nächsten Hunger.

Am nächsten Tag fragte meine Hebamme, wie die Nacht war. Ich berichtete ihr alles – voller Stolz über die gelungene Stillmahlzeit auf dem Sofa. Da sagte sie: „Toll, dass es mit dem Stillen geklappt hat. Aber du hast doch so ein schönes Beistelltbett, wieso hast du die Kleine nicht im Bett gestillt?“

Der Tipp meiner Hebamme, der mich letztendlich rettete

Als ich ihr vom fehlenden Licht erzählte, schickte sie meinen Mann sofort in den Babymarkt, um einige Nachtlichter zu kaufen, die wir strategisch in der Wohnung verteilen sollten. Sie waren gerade hell genug, dass ich ausreichend sehen konnte, und gleichzeitig dunkel genug, um dabei schlafen zu können.

Sie empfahl mir außerdem Stilleinlagen, Brustpflege-Wärmepads und Lanolinsalbe.

Außerdem zeigte mir meine Hebamme, wie ich meine Tochter im Liegen stillen konnte. Und ohne es zu wissen, gab sie mir damit den besten Tipp von allen. Den „Schlüsseltipp“ sozusagen, den ich gleich zu Anfang von den Krankenhausschwestern gebraucht hätte. Sie sagte: „Leg deine Tochter einfach vor dich und lass sie mal machen. Sie kann das instinktiv, du wirst sehen.“

Das klang gut, also fast zu gut, um wahr zu sein. Deshalb wollte ich nicht bis zur Nacht warten, sondern probierte es sofort bei der nächsten Stillmahlzeit aus. Und was soll ich sagen? Es war wie ein Wunder!

Ich brauchte nicht zu schieben oder drücken, das Köpfchen meiner Tochter nicht zu lenken. Sie lag einfach vor meiner mit dem Stillhütchen ausgestatteten Brust, „suchte“ kurz, schnappte zu – und trank. Ich war im Himmel!

Von diesem Moment an waren alle Stillprobleme passé. Alles, was ich gebraucht hatte, war Vertrauen in die natürlichen Fähigkeiten meiner Brust und meiner Tochter. Und Gelassenheit. Und Stillhütchen.

Die konnten wir uns übrigens nach vier Wochen wirklich schrittweise abgewöhnen. Denn durch das Saugen waren meine Schlupfwarzen herausgekommen und lachten meine Tochter geradezu fröhlich an, wenn sie Hunger hatte. Auch wenn der Anfang schwer war – nun hatten wir es endlich geschafft! Dafür bin ich dankbar.