Echte Mama Geschichten

„Warum habe ich mich nur zur Abtreibung überreden lassen?“

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Ungewollt schwanger. Nach dem ersten Schock muss sich eine Frau in dieser Situation bald entscheiden: Behalte ich dieses Kind, freue ich mich sogar über diese Überraschung des Schicksals oder geht es gerade einfach gar nicht, wähle ich eine Abtreibung? Oftmals keine leichte Entscheidung.

Aber: Wie fühlt es sich an, wenn einfach jemand anderes für einen einen Entschluss fasst – und man zu spät merkt, dass diese Entscheidung nicht die richtige für einen selbst war?

Unsere Echte Mama Sabrina (echter Name ist der Redaktion bekannt, 27, aus Bayern) hat uns ihre Geschichte erzählt:

„Ich lernte ihn kennen, als ich zur Bundeswehr kam. Er war der Ausbilder meiner Gruppe. Wir mochten uns von Anfang an, waren aber beide noch vergeben – und zudem wollte ich in der Grundausbildung ganz sicher nichts mit meinem Vorgesetzten anfangen.

Als diese allerdings zu Ende war, trafen wir uns durch Zufall wieder. Einige Wochen später kamen wir zusammen. Wir hatten von Anfang an eine Wochenend-Beziehung, weil wir an unterschiedlichen Standorten eingesetzt waren. Trotzdem haben wir eine glückliche Beziehung geführt.

Nach drei Jahren, mit 24, wurde ich ungeplant und trotz Pille schwanger. Ich konnte es mir nicht erklären – ich war weder krank gewesen noch hatte ich die Einnahme vergessen. Schnell machte ich einen Termin beim Frauenarzt aus.

Ich hatte den Test unter der Woche gemacht und wollte meinem Freund so eine Nachricht nicht am Telefon überbringen. Daher erzählte ich ihm erst am nächsten Wochenende davon. Inzwischen war ich sogar schon beim Arzt gewesen und hatte ein Ultraschallbild von dem Böhnchen dabei.

Beim ersten Ultraschall konnte ich schon eindeutig etwas sehen – mein Kind. Foto: Bigstock

Wir grillten noch fröhlich mit seiner Familie, und als wir dann endlich allein auf der Couch lümmelten, erzählte ich ihm die großen Neuigkeiten.

Nie im Leben hätte ich mir seiner Reaktion gerechnet.

Wir hatten schon über Kinder gesprochen, waren uns aber einig, dass wir noch einige Jahre damit warten sollten. Es war auch nicht der beste Zeitpunkt – aber nun war es doch eben ,passiert`! So sah ich das Ganze und freute mich.

Doch seine Reaktion war nicht mal im Ansatz freudig – sondern pures Entsetzen. Noch am selben Abend stellte er mir ein Ultimatum:

Entweder ich treibe ab oder ich bin Single.

Ich war bis dahin so glücklich in meiner Beziehung und er redete tagelang auf mich ein. Jemand anderem mochte ich mich nicht anvertrauen. Nicht mal meiner Mama erzählte ich zu dieser Zeit, was in mir vorging. Deswegen entschied ich mich für ihn.

Schnell gingen wir zur vorgeschriebenen Beratung. Dort fühlte ich mich komisch, als wenn meine Meinung gar nicht zählen würde. Mein Ex sprach immer ,für uns´. Ich ließ es geschehen. Dann ging es weiter zum Frauenarzt und schließlich in die Abtreibungs-Klinik. All diese Termine fanden innerhalb von zwei Wochen statt!

Es sollte sich herausstellen, dass das alles der größte Fehler meines Lebens war.

Vor dem Eingriff hatte ich ein komisches Gefühl. Ich schob es darauf, dass ich Angst vor Operationen habe. Inzwischen glaube ich glaube, dass ich die Abtreibung schon nicht mehr wollte, aber unbewusst Angst vor den Konsequenzen hatte, wenn ich meine Zweifel laut aussprechen würde.

Direkt als ich nach der Abtreibung in der Klinik erwachte, traf es mich mit voller Wucht: Ich bereute zutiefst, was ich getan hatte. Ich war entsetzt, dass ich zulassen konnten, dass man mein Kind entfernte. Aus meinem Bauch, einem Ort, an dem es doch eigentlich sicher sein sollte.

Mein Freund wartete im Aufenthaltsraum auf mich – doch ich fühlte mich trotzdem unendlich einsam.

Irgendwie lernte ich, mit diesem Gefühl zu leben. Doch ich gab ganz klar meinem Freund die Schuld daran, dass ich abgetrieben habe. Für unsere Beziehung war dieser Umstand wenige Monate später das Aus.

Ich weiß, dass ich das alles hätte verhindern können. Aber der Gedanke, dass mein Kind von Anfang an ohne Papa auswachsen müsste, war für mich in diesem Moment der ausschlaggebende. Noch dazu kam, dass alles Knall auf Fall entschieden werden musste, da die Schwangerschaft schon sehr weit fortgeschritten war – der legale Zeitraum für eine Abtreibung endete bald.

Und wie ging es nun mit mir weiter? Noch im selben Jahr, in dem ich mich trennte, lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen. Bei ihm spielte ich von Anfang an mit offenen Karten. Ich wollte genau, dass er weiß, auf wen er sich ,einlässt`. Er reagierte sehr verständnisvoll und unterstützt mich immer, wenn mich dieses Ereignis einholt.

Inzwischen sind wir Eltern einer wunderbaren Tochter. Als ich mit ihr schwanger war, habe ich erstmals meiner Mutter von der Abtreibung erzählt. Unter Tränen fragte sich mich immer wieder, wieso ich damals nicht zu ihr gekommen bin. Ich glaube, auch sie fragt sich, wie ich es so weit kommen lassen konnte.

Auch ich frage mich das noch so manches Mal. Aber ich war jung und mein Freund, den ich so liebte, redete massiv auf mich ein. Ich ließ es geschehen.

Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich doch noch zu so einer glücklichen Familie gekommen bin. Ich bin jetzt wieder schwanger und wir drei freuen uns riesig auf unser neues Familienmitglied.