Schwanger

Intime Hausgeburt: „Mein Mann war immer dabei und half mir sehr“

Foto: privat

Eine Hausgeburt ist in unserer Zeit eine echte Seltenheit geworden. Die Geburt im Krankhaus ist für die meisten von uns inzwischen selbstverständlich. Viele Gebärende fühlen sich da einfach sicherer, denn sie sind für den Fall der Fälle von medizinischen Fachleuten umgeben.

Doch in Zeiten überfüllter Kreißsäle und überlasteter Hebammen kann eine Entbindung mit der „eigenen“ Hebamme im trauten Heim (oder auch im Geburtshaus) ein echte Alternative sein. So wie die intime Hausgeburt von Mama Claudia aus Landshut (der vollständige Name ist uns bekannt).

Claudia fand ganz zufällig eine erfahrene Hebamme, die sie auf ihrem Weg zu und während der Traumgeburt im eigenen Zuhause begleitete. Hier erzählt sie uns ihre Geschichte.

„Meine Hebamme fand ich zu Beginn meiner Schwangerschaft ganz zufällig über die Empfehlung einer Bekannten. Damals wusste ich nicht, dass ich mich schon bald für eine intime Hausgeburt entscheiden würde. Als ich mir jedoch wenig später überlegte, wie ich mein Kind auf die Welt bringen möchte, hatte ich den Wunsch klar und deutlich vor Augen.

Ich habe schon immer großen Respekt vor Krankenhäusern. Eine Klinik ist für mich ein Ort, den ich aufsuche, wenn ich ernsthaft krank bin. Eine Schwangerschaft und eine Geburt zählen für mich nicht dazu. Ich wollte für meine Geburt eine vertraute Umgebung, Menschen die ich kenne und die wiederum mich und meine Wünsche kennen und wissen, was ich brauche und was mir gut tut.

Als ich meine Hebamme auf das Thema Hausgeburt ansprach und sie fragte, wie sie dazu steht, musste sie im ersten Moment kurz lachen. Denn sie ist zufälligerweise eine der wenigen Hebammen, die überhaupt noch regelmäßig Hausgeburten machen. Im Schnitt betreut sie eine Hausgeburt pro Woche und hat deshalb einen enorm großen Erfahrungsschatz.

Für mich war das wie ein Wink des Schicksals und so entschied ich mich, es mit ihr zusammen zu versuchen.

Sie empfahl mir den Geburtsvorbereitungskurs einer Kollegin im Geburtshaus, in dem ich sehr gut auf die Hausgeburt vorbereitet wurde. Mein Mann begleitete mich zum Kurs. Er wurde dort ebenfalls mit einbezogen und erfuhr, wie er mich am besten unterstützen kann und was auf ihn zukommen würde – vor allem auch in den Tagen nach der Geburt, da ich ja nicht rund um die Uhr auf der Wöchnerinnenstation betreut werden würde.

Unsere Hebamme führte mit meinem Mann und mir außerdem ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Darin sagte sie uns auch, in welchen Fällen wir die Hausgeburt eventuell abbrechen und in die Klinik fahren müssten. Da das Krankenhaus aber nur fünf Minuten entfernt liegt, war ich diesbezüglich immer entspannt und ließ es einfach auf mich zukommen.

Auch klärte uns unsere Hebamme auf, dass sie mir keine starken Schmerzmittel wie Valium verabreichen könne. Lediglich Buscopan oder homöopathische Mittel waren möglich. Doch auch das machte mir keine Sorgen.

Im Gegenteil: Genau zu wissen, was möglich war und was nicht,  brachte mir eher ein Gefühl der Ruhe. Auch fühlte ich ein tiefes Vertrauen in meinen Körper und war mir sicher, dass ich es mit dem, was Zuhause möglich war, schaffen würde.

Im Wechsel mit meiner Frauenärztin übernahm meine Hebamme dann jede 2. Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft. So behielt sie den Verlauf im Blick und konnte besser einschätzen, ob die Hausgeburt ohne weiteres möglich wäre oder sie mir aufgrund möglicher Komplikationen doch zu einer Klinikgeburt raten müsste. Doch es blieb alles bestens.

Der große Termin rückte immer näher.

Ab der 37. Schwangerschaftswoche war unsere Hebamme zusammen mit einer erfahrenen Kollegin für unsere Hausgeburt im Bereitschaftsdienst.

Hätte sich unser Kind vor diesem Stichtag auf den Weg gemacht, hätte ich doch in die Klinik gemusst, damit es auf der Frühchenstation hätte betreut werden können. Doch dazu kam es zum Glück nicht.

Für die Hausgeburt bekam ich von meiner Hebamme eine Liste mit allem, was ich vorzubereiten sollte Dazu gehörte, dass wir das Bett unter dem Spannbettlaken mit einer Malerplane bezogen, um die Matratze zu schonen. Da ich gern auch in der Badewanne entspannen wollte – wir haben eine große und tiefe Eckbadewanne – putzten wir diese absolut sauber und kauften Badesalz aus dem Toten Meer. Im Schlafzimmer sorgten wir für genügend Platz und Ablageflächen.

Außerdem stellten wir unter anderem jede Menge Handtücher, eine Wärmelampe, Wärmflasche und Coolpacks, eine helle Lampe, einen Wäsche- und einen Mülleimer und eine große Schüssel für die Plazenta bereit. Außerdem legten wir eine exakt gehende Uhr bereit, damit wir die genaue Geburtszeit sehen konnten.

Meine Hebamme hatte mir den Tipp gegeben, Bettwäsche und Handtücher in einem dunklen Rot auszuwählen. Diese Farbe sei für das Kind angenehmer und beruhigender, denn es kennt sie aus dem Mutterleib. So empfindet es den Wechsel in unsere Welt sanfter.

Natürlich würden meine Hebamme auch noch eine Menge Dinge mitbringen, unter anderem sterile Tücher, Desinfektionsmittel, Einwegunterlagen und ein entspannendes Badeöl. Neben ihren Geburtsinstrumenten hat sie zudem immer auch eine Ausstattung zum Nähen eines möglichen Dammrisses im Gepäck. Hebammen können und dürfen Geburtsverletzungen nämlich selbst nähen, dazu muss kein Arzt gerufen werden.

Wir waren also gut vorbereitet und stimmten uns nun innerlich auf die Geburt ein. In der Zeit kurz davor sprachen mein Mann und ich viel darüber, was auf uns zukommen würde. Wenn wir abends vor dem Einschlafen zusammen im Bett lagen, massierte er meinen Bauch, redete mit unserem Baby und wir visualisierten gemeinsam die Geburt und die Zeit danach.

Das tat mir unheimlich gut und war für mich die perfekte seelische und mentale Vorbereitung – neben all dem Wissen, das ich im Geburtsvorbereitungskurs, von meiner Hebamme und aus einem tollen Buch über Hausgeburten bekommen hatte.

Dann ging die intime Hausgeburt schließlich los:

An einem Montagmorgen, nur einen Tag nach dem Stichtag für den Bereitschaftsdienst, war es soweit. Ich merkte, wie ein Schwall Flüssigkeit abging und rief gleich die Hebamme an. Sie kam nur 15 Minuten später und untersuchte mich.

Zwar war der Test, ob es sich um Fruchtwasser handelt, negativ. Doch meine Hebamme vertraute auf ihr Bauchgefühl und sagte, ich solle mich besser hinlegen. Sie wollte einen Blasensprung trotz des negativen Tests nicht ausschließen.

Wäre ich damit weiter herumgelaufen, hätte ich riskiert, dass die Nabelschnur vorrutscht und vom Köpfchen abgeklemmt wird, was mein Baby in große Gefahr gebracht hätte. Im Liegen konnte ich außerdem noch einmal Kraft tanken und mich ganz auf meine Körper konzentrieren, dem nun die Aufgabe seines Lebens bevorstand.

Als meine Hebamme mich gegen Mittag wieder untersuchte, war der Fruchtwassertest immer noch negativ, doch sie ließ mich weiter liegenbleiben. Gegen frühen Nachmittag kamen dann die ersten Wehen – der Beweis, dass es wirklich ein Blasensprung war und die Geburt nun beginnen sollte.

Die Wehen wurden langsam immer stärker und meine Hebamme, die vormittags zwischendurch noch zwei oder drei Nachsorgebesuche bei anderen Mamas gemacht hatte, während ich ausruhte, kam zurück und blieb ab da bei mir.

Um 17 Uhr ging ich in die Wanne und merkte, wie gut mir das tat. Meine Wehen konnte ich dort viel besser aushalten und veratmen, auch wenn sie im warmen Wasser weiterhin zunehmend stärker wurden.

Auch mein Mann, der die ganze Zeit bei mir war, half mir wunderbar. Er massierte mein Kreuzbein und stütze mich, damit ich mich bequem zurücklehnen konnte. Die intime Hausgeburt lief so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Während dieser Phase traf auch die zweite Hebamme ein. Meine Hebamme und sie kümmerten sich rührend um mich und waren ein perfekt eingespieltes Team. Sie hörten immer wieder nach den Herztönen, untersuchten mich, bereiteten Kaffeeumschläge für den Damm vor und leiteten mich beim Veratmen der Wehen an.

Ich fühlte mich unendlich gut aufgehoben. Es gab keine Hektik, alles war ruhig und vertraut, alle waren nur für mich da. Genau so hatte ich mir meine perfekte Geburt immer vorgestellt.

Eine Sache war allerdings nicht so perfekt, ist aber im Nachhinein eine lustige Anekdote: Ich musste zwischendurch aus der Wanne aussteigen, um auf die Toilette zu gehen. Dabei kam ich versehentlich an den Schalter für die Whirlpool Funktion unserer Wanne, die wir eigentlich nie benutzen.

Die Düsen waren entsprechend verkalkt und verschmutzten das Wasser. Mein Mann und eine der Hebammen mussten deshalb die Wanne noch einmal komplett sauber machen und neu befüllen, während ich im Bett weiter Wehen veratmete und von der anderen Hebamme betreut wurde.

Als ich kurz danach endlich wieder in der warmen Wanne lag, sollte es nicht mehr lange dauern. Mein Mann hatte sich in einen der Ecksitze unserer Wanne gesetzt und ich lehnte mit dem Rücken an seinen Beinen. Meine Beine stützte ich selbst mit den Armen und am gegenüberliegenden Wannenrand ab.

In dieser Position gebar ich schließlich das Köpfchen und nach einer weiteren Wehe, genau um 19:13 Uhr, nahm ich unter Wasser den kleinen Körper entgegen. Alles geschah so sanft und langsam, dass unsere Tochter schlafend auf die Welt kam.

Sehr langsam hob ich sie aus dem Wasser auf meine Brust. Ein kleines Quietschen meiner Tochter erklang wie eine zarte Begrüßung, dann war sie wieder still. So blieben wir erst einmal lange sitzen und bestaunten unser kleines Wunder.

Die Nabelschnur pulsierte währenddessen weiter und erst als sie ganz auspulsiert hatte, durchtrennte sie mein Mann unter Anleitung der Hebamme.

Nachdem sie auspulsiert hat, durchtrennt der frischgebackene Papa die Nabelschnur mit Hilfe der Hebamme. (Foto: privat)

Noch im Badezimmer wurde unsere Maus gewogen und gemessen, dann legte sich mein Mann schon einmal mit ihr in unser Bett.

Ich gebar im Bad, vor der Wanne, die Nachgeburt, die mir die Hebamme anschließend zeigte und erklärte. Dann duschte ich kurz, zog mir einen dieser riesigen Slips mit einer Vorlage drin an und legte mich zu meinem Mann und meiner Tochter ins Bett. Dort nahm ich meine Kleine dann zum ersten Mal zum Stillen an die Brust.

Es waren wunderschöne Momente und ich war selig, so eine perfekte Geburt erleben zu dürfen. Sogar mein Damm war intakt geblieben – vielleicht durch den Gegendruck des Wassers oder ich hatte einfach Glück. Jedenfalls waren die Kaffeeumschläge, die die Hebammen vorbereitet hatten, unbenutzt geblieben. So hatte ich auch in den Tagen nach der Geburt keine Beschwerden.

Wenn ich zurückblicke, scheint mir – neben der Gesundheit und einer komplikationslosen Schwangerschaft natürlich – die wichtigste Voraussetzung für eine intime Hausgeburt zu sein, dass sich beide Partner ganz sicher sind, sie zu wollen.

Keiner der beiden darf dazu überredet werden und beide müssen so gut wie möglich wissen, was auf sie zukommt. Beim geringsten Zweifel, selbst wenn die Wehen schon begonnen haben, ist es besser, die Hausgeburt abzusagen und doch noch ins Krankenhaus zu fahren.

Die vielen Gespräche mit der Hebamme und mit meinem Mann und auch Bücher über die Geburtsvorgänge haben mir geholfen, mich ganz auf die intime Hausgeburt einzulassen.

Ich war mir absolut sicher, dass dies der richtige Weg für uns ist, so dass mich auch all die Gegenstimmen und Zweifel, die von anderen ungefragt geäußert wurden, nicht von meinem Wunsch abbringen konnten. Und ich würde es immer wieder so machen!“

Endlich ist das kleine Wunder da! (Foto: privat)