Echte Mama Geschichten

„Ich verlor durch die Geburt meines Sohnes meine beste Freundin.“

Foto: Bigstock

Die Geburt ihres Kindes lässt Neu-Mamas vor Glück fast platzen. Und natürlich möchten sie dieses umwerfende Gefühl am besten mit all ihren Lieben teilen. Und so schlimmer ist es, wenn sich jemand ganz plötzlich abwendet. So ist es unserer Echten Mama Susanne (Name von der Redaktion geändert) passiert. Hier erzählt uns die 33jährige aus Nordrhein-Westfalen, wie sie ihre beste Freundin verloren hat:

„Die Wohnung war liebevoll dekoriert – es gab Selbstgebackenes und witzige Babyspiele für alle Gäste. Es wurde viel gelacht und gealbert. Die Babyparty, die meine beste Freundin für mich organisierte, wird mir noch lange als positiv und fröhlich in Erinnerung bleiben.

Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, haben viele Höhen und Tiefen erlebt. Sie war meine Trauzeugin und ich freute mich schon wahnsinnig darauf, dass sie nun demnächst auch unseren kleinen Schatz durch sein Leben begleiten würde – von meinem war sie schon lange ein so wichtiger Teil. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits im neunten Monat schwanger mit meinem kleinen Sohn. Und hätte niemals gedacht, dass mit seiner Geburt alles anders kommen würde in unserer Freundschaft…

Kurz vor Weihnachten war er dann endlich da. Unser erstes Kind. Ich glaube jede Mama weiß, welch heftige Gefühlsachterbahn man bei und nach so einer Geburt  durchmacht. Sie war lang, schwierig und schmerzhaft, aber zugleich auch das Wunderbarste, was ich je erlebt habe…

Unsere Familien wohnen 300km von uns entfernt, ebenso wie meine beste Freundin. Ich habe sie in diesen Momenten natürlich vermisst. Sie schickte uns herzliche Glückwünsche per Whatsapp. Damals haben mir der Schlafmangel und die Hormone wohl den Kopf vernebelt, denn ich habe mich erst hinterher gefragt, warum sie eigentlich nicht angerufen hat. Da ich eine schwere Geburtsverletzung hatte und mich in den ersten Tagen kaum bewegen konnte, bat ich sie darum, uns nach den Feiertagen zu Hause besuchen zu kommen. Ich schickte ihr viele Bilder von unserem Sohn in dem Glauben, ihr eine Freude zu machen und diese schönen und intimen Momente trotz Distanz mit ihr zu teilen.

Sie antwortete erst drei Tage später: Sie wüsste nicht wie sie zu uns kommen solle, sie hätte kein Auto. Ich schlug ihr vor, ihr ein Zugticket zu organisieren, was sie ignorierte. Am nächsten Tag kam dann die Absage. Sie könne nicht kommen, sie hätte zu viel um die Ohren und keine Mitfahrgelegenheit. Zudem sei sie traurig, dass ich mich so verändert hätte, ich wäre nicht mehr die Alte!

Ich war wie vom Blitz getroffen… Und hatte keine Ahnung, worum es hier eigentlich ging. Als wir dann an Heiligabend mit unserem Baby unter dem Tannenbaum saßen, liefen bei mir nur noch Tränen. Vor Freude, vor Glück, vor überkochender Liebe… Aber auch vor starker Sehnsucht nach meiner Familie, vor Wut und Enttäuschung über das Verhalten meiner Freundin. Warum freute sie sich nicht mit mir? Was bewegte sie sich so ablehnend – fast böse – zu äußern? Warum hatte sie weder an mir noch an meinem Sohn Interesse?

Weihnachten mit meinem Baby, aber ohne meine Familie oder meine beste Freundin… ich war voller gemischter Gefühle. (Symbolbild, Foto: Bigstock)

Die kommenden Wochen machte sie keinerlei Anstalten, uns zu besuchen oder auch nur anzurufen. Mein Baby wuchs heran, entwickelte sich zu einem tollen kleinen Jungen, den ich ihr gern vorgestellt hätte. Ich bin mir sicher, sie hätten sich gut verstanden.

Ich bemühte mich, immer wieder den Kontakt herzustellen, erkundigte mich, wie es ihr geht und ob es die Möglichkeit eines Wiedersehens gäbe. Sie sei im Prüfungsstress – so hieß es immer und immer wieder. Ich versuchte, ihr Mut zuzusprechen und auf sie einzugehen. Meine beste Freundin wich mir ganz eindeutig aus und signalisierte mir, dass sie ein Treffen nicht möchte. Ich zog mich zurück…

Der Kontakt verebbte nahezu vollständig. Im gemeinsamen Freundeskreis nahmen alle liebevoll und interessiert Anteil an unserem Glück, aber ich spürte auch, dass alle irgendwie verunsichert waren. Ich sprach das bei einem Treffen in der Heimat ganz direkt an, ich wollte unsere Freunde nicht mit unserem Konflikt belastet wissen. Und gab durchaus zu verstehen, wie sehr mich die Situation belastete.

Auch die Treffen mit meinen anderen Freunden in der Heimat waren zwar lustig, aber spürbar vom Streit mit meiner besten Freundin überschattet. (Symbolbild, Foto: Bigstock)

Ich erfuhr, dass sie sich offenbar negativ über mich im Freundeskreis äußerte. Zu mir wolle sie nicht fahren, es ginge doch sowieso nur noch um Windeln und gäbe nichts als Babythemen. Die nächste Enttäuschung. Auf welcher Grundlage diese Behauptungen? Ist man für sie als Mama pauschal doof und nicht mehr gesellschaftsfähig?

Zutiefst verletzt bemühte ich mich daraufhin nicht mehr um ein Treffen.Bis ich vor einigen Tagen überraschenderweise eine Einladung zu ihrer Hochzeit erhielt. Mein Mann und ich waren irritiert und erstaunt. Unser Sohn wurde in der Einladung explizit nicht erwähnt. Absicht oder alte Gewohnheit? Ich beschloss, noch einmal den Kontakt zu suchen. Schließlich wollte sie uns ganz offenbar dabei haben.

Sie antwortete prompt auf meine Bitte eines klärenden Gespräches. Sie schrieb mir, dass ein Gespräch wohl nichts mehr an der Situation ändern würde. Wir hätten uns menschlich zu weit voneinander entfernt. Wenn ich nicht kommen würde, wäre das meine Entscheidung. War die Einladung zur Hochzeit also nur pro forma?

Für mich ist damit der Moment gekommen – so schwer es ist – endgültig damit abzuschließen. Ich gehe aus einer langjährigen ,Beziehung`, dessen Ende ich mir nicht erklären kann. Es gibt dabei keine Logik. Kann es denn wirklich sein, dass sie mir dieses Glück nicht gönnt? Ist Neid hier womöglich die Antwort?

Ein Kind verändert einen. Keine Frage. Aber ich bin derselbe Mensch geblieben, mit einem noch größeren Herzen. Heute weiß ich, das ist es wirklich nicht wert. Wenn mich meine ehemals beste Freundin mit Kind nicht lieben kann, kann ich sie auch nicht mehr lieben.

Ich nehme aber auch viel Positives aus dieser Erfahrung mit. Wachsamer zu sein zum Beispiel, mit wem man sein Leben teilt. Ich durfte viele neue, ehrliche Freundschaften schließen. Und ironischerweise stehen uns viele unserer kinderlosen Freunde seit der Geburt noch näher. Ich möchte mich und meine Familie mit positiven, wohlwollenden Menschen umgeben.

Und bin mir sicher, mein Sohn wird mir eines Tages dafür auf die Schulter klopfen 😉 “