Leben

Brief an meine Mitmenschen: Bitte nehmt mehr Rücksicht auf Schwangere!

Foto: Bigstock

So wundervoll eine Schwangerschaft auch ist, besonders zum Ende hin kann sie auch ganz schön anstrengend sein. Wenn die Menschen um einen herum ein klein wenig Rücksicht nehmen, erleichtert das den werdenden Mamas ihren Alltag gehörig.

Aber – tun sie das auch? Unsere echte Mama Tanja (39) aus Mannheim erlebt es oft leider ganz anders, von Rücksicht keine Spur. Und möchte den Leuten deshalb heute einmal die Augen öffnen:

„Liebe Mitmenschen,

ich bin schwanger. Hochschwanger.

Ich denke, ich bin wirklich keine komplizierte Schwangere. Ich erwarte ganz sicher nicht 1000 Extrawürste und möchte auch nicht mit Samthandschuhen angefasst werden.

Aber: Eine Schwangerschaft ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Mir war monatelang übel, ich habe geschwollene Füße. Das ist ganz normal, da kann keiner von euch etwas für und da muss ich alleine durch.

Nur mit einer Sache, da macht ihr mir meine derzeitige Situation noch etwas schwerer – und das völlig unnötig. Ich meine euer rücksichtsloses Verhalten.

Man sieht mir meinen Zustand inzwischen wirklich deutlich an. Daher hoffe ich immer wieder, dass man mir in öffentlichen Verkehrsmitteln den Sitzplatz für Schwangere anbietet. Ohne, dass ich darum bitten muss.

Doch meistens werde ich enttäuscht. Häufig haben junge Menschen diesen Platz in Beschlag genommen und starren angestrengt auf ihr Handydisplay. Damit sind sie aus dem Schneider, denn sie sehen mich und meinen Bauch gar nicht. Meistens traue ich mich leider nicht, sie zu bitten, aufzustehen. Und ärgere mich hinterher. Über die Jugendlichen und über mich selbst.

Kürzlich war ich in Amsterdam. Dort hat eine Schaffnerin von sich aus dafür gesorgt, dass ich mich setzen konnte. Das fand ich toll!

Bei einer Untersuchung im Kreißsaal gab es keine freien Sitzplätze mehr. Einer der werdenden Vater daddelte auf seinem Handy. Er blickte kurz auf, sah meine Kugel und senkte den Blick trotzdem wieder, um weiterhin seine Aufmerksamkeit dem Telefon zu schenken. Dieses Mal fasste ich mir ein Herz und fragte: ,Ist hier noch ein Platz frei?`. Er stand ohne Widerstand auf. Ich war ganz stolz auf mich.

Ich ärgere mich oft über euch – fremde Leute, die mich anstarren und ungeniert mustern, als käme ich von einem anderen Planeten. Sagen tut ihr aber nichts. Ja, ich weiß, dass mein Bauch nicht zu übersehen ist. Aber manche Blicke empfinde ich dennoch als unhöflich.

Noch schlimmer seid ihr, wenn ihr im Außenbereich von Restaurants raucht, und mich zwingt, passiv mitzupaffen. Das ist nicht nur nervig sondern auch ungesund – weshalb ich aktuell lieber im Innenbereich von Lokalen esse.

Ich wünsche mir, dass ihr künftig ein wenig empathischer gegenüber Schwangeren seid. Bitte bietet uns euren Sitzplatz an, denn Stehen ist für uns wirklich extrem anstrengend. Richtet eure Zigaretten bitte nicht auf uns, oder fragt wenigstens, ob es uns stört. Kurzum: Nehmt doch bitte ein bisschen mehr Rücksicht.

Und wenn Ihr uns schon anstarrt, dann wünscht uns wenigstens einen guten Tag oder lächelt uns zu. Das ist wesentlicher netter.

Liebe Grüße, eure Tanja“