Leben

Sie wächst jeden Tag ein bisschen mehr: Die stärkste Liebe der Welt

Foto: Timea Sternkopf

Ab dem Tag, an dem ich erfuhr, dass ich schwanger war, empfand ich mit jedem Tag eine heranwachsende, ganz neuartige Liebe in mir. Die stärkste Liebe der Welt.

Sie wurde immer größer und größer und explodierte förmlich am Tag der Geburt meiner Tochter. An diesem Tag konnte ich mir nicht vorstellen, dass man noch mehr Liebe empfinden könnte. Doch da lag ich falsch. Tatsächlich wächst meine Liebe zu meiner Tochter, die nun schon fast drei Jahre alt ist, weiter und weiter.

Denn: Es ist tatsächlich die stärkste Liebe der Welt.

Mit ihrem ersten Lachen wurde meine Liebe zu ihr noch ein bisschen mehr. Als sie anfing zu krabbeln und die Welt außerhalb ihrer Babydecke entdecken wollte, liebte ich sie noch mehr. Als sie das erste Mal das Wort „Mama“ brabbelte, schien mein Herz vor Glücksgefühlen zu platzen. Als sie endlich aufstand und sich vom Boden verabschiedete, wuchs meine Liebe zu ihr noch mehr.

Mit jedem Schritt, den sie in Richtung Selbstständigkeit machte, breitete sich das Gefühl unendlicher Liebe noch mehr in mir aus. Ich liebe meine Tochter mehr und mehr und mehr. Ich habe so oft schon von anderen Mamas gehört, dass sie sich nach dem ersten Babyjahr sehnen, dass sie das, als die schönste und einfachste Zeit empfanden.

Viele Tränen, viel Einsamkeit: Das erste Baby-Jahr war für mich nicht das einfachste. Foto: Bigstock

Dem kann ich nicht zustimmen, wenn ich ehrlich bin. Vielleicht lag es daran, dass unsere Tochter kein „Anfänger-Baby“ war. Dass es mit dem Stillen nicht so klappte, wie es sollte. Vielleicht lag es daran, weil ich mich oft einsam fühlte und mein ganzes Leben sich auf einen Schlag änderte. Vielleicht lag es daran, dass ich lange brauchte, mich an diese Veränderungen zu gewöhnen. Aber es ist nun mal so, dass ich die Zeit jetzt mit ihr viel mehr genieße und es kaum erwarten kann, wie sich dieser kleiner sturköpfiger Mensch noch weiter entwickeln wird.

Die Kleinkindphase hält ungeahnte Abenteuer bereit. Nicht alle sind schön und einfach. Es ist hart, wenn dein süßes Kind sich plötzlich mit hochrotem Kopf auf den Fußboden wirft – am besten draußen auf der Straße mit reichlich Zeugen – und sich die Seele aus dem Leib kreischt, weil Mama etwas tat, das nicht seinen Vorstellungen entsprach. Es ist hart, wenn fremde Blicke dich verurteilen, weil dein Kind beschließt, solch ein Theater zu veranstalten. Es ist hart, wenn man sich in Situationen mit der unkontrollierten Wut eines Kleinkindes machtlos fühlt.

Es ist allerdings umso schöner, wenn sich dieses kleine tobende Wesen wieder beruhigt und von ganz alleine die Mama umarmt mit den Worten: „Entschuldige bitte Mama, ich hab dich lieb“. Genau das tat meine Tochter gestern nach einem Bilderbuch-Ausraster. Ich war sauer, so richtig sauer. Doch nach diesen Worten aus ihrem niedlichen kleinen Mund, wurde es wieder wärmer um mein Herz. Ich konnte ihr aber nicht sofort verzeihen, denn ich bin auch nur ein Mensch, dessen Toleranzgrenze hin und wieder selbst von dem süßesten Mädchen der Welt überschritten werden kann.

Es brauchte noch zwei weitere „Es tut mir Leid“-Bekundungen meiner knapp dreijährigen Tochter und eine leidenschaftliche Umarmung meiner Beine, bis bei mir das Liebesbarometer erneut um unzählige Level anstieg. Ja, ich liebe meine Tochter nun noch ein bisschen mehr. Ich habe keine Ahnung, wie das überhaupt möglich ist, aber es passiert Tag für Tag.

Und eines weiß ich ganz sicher: Dies ist die stärkste Liebe der Welt.