Leben

Leihmutterschaft: Warum der kleine Tiantian vier Jahre nach dem Tode seiner Eltern geboren wurde

Foto: Bigstock

Was für eine ungewöhnliche Leihmutterschaft, von der die Zeitung „Beijing News“ diese Woche berichtete!

In China wurde jetzt ein Baby geboren. Soweit ist das natürlich nichts Außergewöhnliches – nur, dass die Eltern des kleinen Tiantian bereits seit vier Jahren tot sind!

Wie das sein kann?

Seine leiblichen Eltern Shen Jie und Liu Xi aus Yixing hatten 2013 beschlossen, sich einer Kinderwunschbehandlung zu unterziehen. Auf natürlichem Wege konnten sie keine Kinder bekommen. Liu Xi wurden Eizellen entnommen, die mit den Samen ihres Mannes Shen Jie befruchtet wurden. Vier Embryonen wuchsen anschließend in einem Brutschrank heran.

Fünf Tage, bevor Liu Xi einer der Embryonen eingesetzt werden sollte, kamen die beiden bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Liu Xi und Shen Jie waren Einzelkinder. Und so wurden die eingefrorenen Embryos zur einzigen Enkel-Hoffnung der trauernden Eltern des Paares.

Sie klagten auf den Zugang zu den Embryonen und gewannen nach einem jahrelangen Rechtsstreit. Dann konnten sie über die Embryonen verfügen, die in einem Krankenhaus in Nanjing verwahrt wurden.

Und wollten einen ihrer Enkel das Licht der Welt erblicken lassen.

In China ist eine Leihmutterschaft verboten, und so fanden die Großeltern eine Frau in Laos, die sich bereit erklärte, das Kind auszutragen.

Auf dem Landweg brachten sie die Embryonen, die in thermoskannengroßen Stickstoff-Flaschen aufbewahrt wurden, nach Laos – keine Fluggesellschaft hatte sich bereit erklärt, diese ungewöhnliche Fracht zu transportieren.

Eine laotische Leihmutter trug den kleinen Tiantian aus. Foto: Shutterstock

Auch das weitere Vorgehen bedarf einer guten Planung: Die Großeltern hätten nach laotischem Recht einen DNA-Nachweis der leiblichen Eltern gebraucht, um das Baby nach der Geburt in ihre Heimat mitnehmen zu dürfen. Um dieses unlösbare Problem zu umgehen, reiste die Leihmutter mit einem Touristenvisum nach China und brachte das Kind dort in einer Privatklinik zur Welt.

Anschließend dauerte es zwei Wochen, bis die Großeltern ihren Enkel mit nach Hause nehmen durften. Sie mussten per Blut- und DNA-Test ihre Verwandtschaft zum Baby beweisen und belegen, dass sie chinesische Staatsbürger sind.

Gegenüber den Beijing News erklärte Opa Shen Xinnan, dass sie ihrem Enkel zuerst erzählen würden, dass seine Eltern im Ausland leben. Erst, wenn er „größer und weiser“ sei, würden sie ihm die ungewöhnliche Geschichte der Leihmutterschaft erzählen.

Seit dieser Fall bekannt wurde, wird in China hitzig über das Gerichtsurteil diskutiert. In den sozialen Netzwerken wurden Stimmen laut, die die Geschichte als extremes Beispiel der Schicksale von chinesischen Eltern sehen, die nach der langjährigen Ein-Kind-Politik ihr einziges Kind verlieren. Andere User plädierten für die Legalisierung der Leihmutterschaft in China, um auch Familien, die sich keine Auslandsreisen leisten können, eine Chance auf diese Methode zu ermöglichen.