Kinder

Die Kinder machen Blödsinn? Warum es manchmal besser ist, sich rauszuhalten

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Unglaublich winzig lag dieses Baby in meinem Arm. Erst ein paar Tage alt und kaum fähig, die Augen länger als ein paar Minuten offen zu halten, aber definitiv mein Ein und Alles. In mir keimte ein bis dahin ungekanntes Gefühl: eine Mischung aus unendlicher Liebe und einem riesigen Beschützerinstinkt. Wenn diesem, meinem Kind auch nur eine Fliege zu nahe kommen würde, würde ich zur Wölfin werden! Das spürte ich.

Diese unendliche Liebe bleibt hoffentlich ein Leben lang. Vom Beschützerinstinkt musste ich mich im Lauf der Jahre etwas distanzieren. Er ist immer noch da und wird so schnell auch nicht verschwinden. Manchmal drückt er schmerzhaft von innen gegen die Brust und ruft: „Hey Mama, pass auf dein Kind auf! Hey Mama, es wurde gerade ungerecht behandelt! Hey Mama, hilf deinem Kind!“

Aber ein Kind muss auch lernen, sich selbst zu beschützen. Indem es Erfahrungen macht. Auch schlechte. Es muss sich selbst, seine Stärken und Schwächen kennen lernen. Und nicht nur Mamas starke Hand, die immer hilft.

Für alle Wolfs-Mütter (und das sind wir ja alle irgendwie), hier sind sechs Dinge, die euer Kind auch alleine schaffen kann. Damit es selbstbewusst und glücklich die Welt entdeckt:

      1. Alleine draußen spielen
        Voraussetzung: Das Kind kann zuhören, weiß um mögliche Gefahren und versteht die Regeln. Zum Beispiel, dass es auf dem Spielplatz in Sichtweite bleibt (nur wer Regeln bekommt, kann auch lernen, sie zu befolgen). Und dann geht’s ab: Dreckig machen, wild und frei rennen und klettern und toben. Wer am Abend nachfragt, wird garantiert hören, dass das für den Nachwuchs der schönste Moment des Tages war.
      2. Im Spiel und beim Sport selbst bestimmen
        Wenn der Zwerg das erste Mal in der Fußball-Mannschaft mitkickt, ist man zu Recht mega stolz. Mehr hat Mama am Spielfeldrand dann aber erst einmal nicht zu tun. Denn auch, wenn eine Schiedsrichterentscheidung ungerecht erscheint, jemand den eigenen Sproß gefoult hat oder er traurig auf der Bank sitzt: Es ist sein Spiel. Diese Erfahrungen sind hart, helfen dem Kind aber, sich als Teil eines Teams zu sehen. Einem Team, in dem jeder mal dran kommt und jeder mal zurückstecken muss. Gleiches gilt übrigens schon beim Sandkistenstreit um Schaufel und Förmchen. Mama muss sich nicht ständig einmischen. Lieber beobachten und staunen, wie schnell Kinder unter sich Konflikte lösen können.
      3. Für sich selbst sprechen
        Es ist so leicht: Das eigene Kind kommt und beschwert sich bitterlich über ein anderes Kind. Schnell steht man auf und klärt die Situation zwischen den beiden. Stopp: Das können Kinder auch allein. Sie müssen es. Auch wenn sie eher schüchtern sind. Den Mama-Anwalt gibt es schließlich in Schule und Beruf später auch nicht mehr.
      4. Für die eigenen Fehler gerade stehe
        Auch Kinder tun Dinge, die nicht in Ordnung sind. Und wenn es ihnen nicht bewusst ist, bekommen sie es gesagt. Klauen, lügen, schlagen, gemein sein: Nicht wir Eltern müssen das wieder gerade biegen, sondern der kleine Verursacher. Dazu gehört auch das Wort „Entschuldigung“. Wer mit ein bisschen Ermutigung von Mama diesen schweren Schritt selbst gehen kann, bekommt dadurch eine gute Portion Selbstbewusstsein mit.
      5. Merken, dass man von zu viel Süßem Bauchweh bekommt
        Klar, klingt jetzt doof. Aber es bringt wenig, dem Kind immer wieder die Süßigkeiten zu rationieren oder es von allem fern zu halten, was irgendwie ungesund ist. Die meisten haben nun mal ihre Ess-Macken. Irgendwann passiert es doch, dass die Bonbonschale auf dem Kindergeburtstag zu voll und zu verlockend ist. Und der Bauch danach böse rumort. Lektion gelernt, nächstes Mal rationiert sich das Kind die Süßigkeiten selbst (oder übernächstes Mal).
      6. Freunde aussuchen
        Je älter Kinder werden, desto größer wird die Rolle der Freunde in ihrem Leben. Sie  beeinflussen sich gegenseitig, sie geben einander Halt und sie erleben Vieles gemeinsam. Auch Negatives. Der beste Freund unseres Sohnes passt uns aber nicht? Tja. Hilft nix, da müssen wir durch. Kinder bauen eigene Beziehungen auf, lernen, dass man sich auf einen Menschen verlassen kann – oder auch nicht – und finden eine Rolle in ihrer kleinen Gemeinschaft. Da haben wir Großen nichts zu suchen. Was wir aber tun können: Ein offenes Ohr für unser Kind haben, es ermutigen, eigene Entscheidungen zu  treffen.