Kinderwunsch

Warten aufs 2. Kind: Aus Verzweiflung googelte ich „Schwanger trotz Regel“

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Nummer eins kam schneller, als geplant. Ich wollte damals erst einmal ein paar Monate ohne Pille leben, den Körper sozusagen ganz auf Werkseinstellung bringen. Kalendermethode war jetzt angesagt. Tja, die Rechnung hatte ich ohne meinen chronisch unregelmäßigen Zyklus gemacht. Schon bald saß ich bei der Frauenärztin und bekam einen Mutterpass in die Hand gedrückt.

Die Schwangerschaft war, von dem üblichen Wehwehchen abgesehen, okay. Die Geburt lief zwar nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber für mich zählte das Ergebnis. Und das war einfach nur unglaublich süß.

Mein Mann und ich erlebten eine normal-stressige Babyzeit, beeindruckende Trotzanfälle und wunderbare Wortkreationen beim Sprechenlernen. Dann die Frage: Wollen wir ein zweites Kind? Es dauerte, bis wir es beide wollten. Und wieder die Pille weg ließen.

Ich erwartete, dass es wieder so schnell gehen sollte wie beim ersten Mal. Ich wartete und wartete. Doch es passierte nichts in den ersten Monaten. Bloß keinen Druck machen, war meine Devise. Alles normal. Das sagte auch meine Ärztin. Und empfahl mir ein pflanzliches Mittel für einen regelmäßigeren Zyklus, um mir die Planung zu erleichtern. Ich schaffe das auch ohne Tabletten, dachte ich. Um einen Monat später doch in die Apotheke zu gehen. Meine Tage kamen nun ein bisschen regelmäßiger, aber sie kamen. Was ich ja aber nicht wollte. Ich wollte schwanger sein.

Keine Ahnung, wie oft ich in der Zeit „Schwanger trotz Regel“ googelte. Und wie oft ich mit meiner Freundin über den Unterschied zwischen Menstruation und Einnistungsblutung diskutierte. War das Ziehen im Bauch nicht anders als sonst? Seit wann bekam ich Rückenschmerzen während der Periode? Ich bildete mir ständig die kleinsten Schwangerschafts-Anzeichen ein. Und war kurz vor dem Wahnsinnigwerden. Von meiner Devise „Kein Druck. Ohne zweites Kind ist auch alles ok“ war ich nach ein paar Monaten Lichtjahre entfernt.

Und es wurde noch etwas schlimmer. Meine Tochter war fast drei und ging in die Krippe. Dort bekamen fast alle Gleichaltrigen plötzlich ein Geschwisterchen. Es war klar, dass sie das auch wollte. Und zwar bitte einen Bruder. Und ich müsste doch nur zu dem Laden gehen, wo auch die anderen ihre Geschwister gekauft hätten, sagte sie. „Ach du Süße, wenn du wüsstest“, seufzte ich innerlich.

Auch im Freundeskreis wurde eine Schwangerschaft nach der anderen verkündet. Ich freute mich mit jeder Mutter – wirklich. Viele wussten von meinen Wunsch und fühlten mit mir. Das tat mir gut, und ich sprach mit ihnen über ihre Erst-Trimester-Screenings und deutete Ultraschallbilder in Junge oder Mädchen.

Eine Kollegin erzählte dann beim Essen ganz beiläufig, dass sie ihr zweites Kind einem Ovulationstest aus der Drogerie verdanke. Und eine weitere Kollegin stimmte zu, auch bei ihr hatte das nach langer Kinderwunschzeit endlich geholfen.

Echt jetzt? Mussten wir so technisch werden? Die ganze Sache wurde immer unromatischer. Und nun sollte ich morgens auf das Stäbchen pieschern und abends den Mann herbeizitieren? Na gut! Es half ja nichts. Und irgendwie fanden wir es auf einmal sogar lustig. Nach über einem Jahr Geschwisterplanung tat es gut, das Ganze mal wieder mit Humor zu betrachten. Der Ovulationstest zeigte mir, dass mein Zyklus ziemlich neben der Spur war. Aber er war da.

Zwei Monate später passierte gar nichts mehr. Keine Blutung. Ich geriet immer weiter über den Termin meiner Periode. Und glaubte erst nicht dran, dass es jetzt wirklich so weit sein könnte. Es war ja eh alles durcheinander bei mir. Meine Freundin fragte mittlerweile jeden Tag. Für sie war die Sache klar. Ich schob den Schwangerschaftstest vor mir her. Aber ich hatte keine Lust auf eine weitere Enttäuschung.

Am nächsten Montag standen mein Mann und ich dann im schließlich im Bad und guckten auf den Schwangerschaftstest. „Schwanger, 2-3 Wochen“ stand da. Ein unbeschreibliches Gefühl! Und meine Tochter bekam im Sommer darauf endlich ihren Bruder.