Schwanger

Ich habe in der Schwangerschaft 25 Kilo zugenommen und das war gut so

unsplash / chris benson

Zugegeben, diese Frage nach dem „Warum“ kann ich nicht beantworten. Tatsache ist, ich habe in meiner Schwangerschaft rund 25 Kilo zugenommen. Wahrscheinlich sogar auch noch ein bisschen mehr, denn die letzten beiden Wochen, die sich mein Sohn Krümel mehr Zeit gelassen hat, habe ich mich einfach nicht mehr auf die Waage gestellt.

Aber wie ich dieses „Warum“ nun geschafft habe, weiß ich beim besten Willen nicht. Dass diese „Zusatzpfunde“ aber letztlich genau richtig waren, darüber möchte ich jetzt schreiben. Aber erst einmal alles auf Anfang.

„Wenn ich einmal schwanger bin, dann esse ich alles und so viel, wie ich will!“

Das waren früher meine Gedanken dazu. Wenn nicht in der Schwangerschaft, wann dann? Dachte ich. Aber tatsächlich sollte man sich gerade mit Babykugel besonders ausgewogen und gesund ernähren. Schließlich isst ab sofort ein zweites Menschlein mit. Gesund wohl gemerkt, nicht etwa nach Diätplan. Anstatt sich auf das baldige Glück zu freuen, rechnet so manche Frau genau nach, wie viel sie an Gewicht und Babybauchumfang schon zugenommen hat. Schrecklich.

Was sagen Zahlen schon aus?

Bei mir war es jedenfalls so, dass ich weder vor noch während der Schwangerschaft viel Lust auf Süßes hatte. Auch von Heißhungerattacken bin ich zum Glück verschont geblieben. Dafür aber hatte ich viel Appetit auf Obst und auf Kindergerichte, wie zum Beispiel Schinkennudeln mit Ketchup, Fischstäbchen und Schnitzel mit Pommes. Aber auch hier wurden die Portionen nicht wirklich größer.

Immerhin am Anfang der Schwangerschaft musste ich dauernd etwas essen. Aber nicht, weil ich so einen Heißhunger gehabt hätte, sondern weil sonst der Kreislauf zusammengesackt wäre. Also mal hier einen Apfel, da ein selbstgemachtes Sandwich und später eine Breze. Im Großen und Ganzen aber immer noch alles sehr übersichtlich.

Aber spätestens im zweiten Drittel der Schwangerschaft zeigte die Waage schnell Zahlen an, die ich zuvor noch nie gesehen hatte oder von denen ich nicht ahnte, dass es sie gibt. Übrigens kann ich an der Stelle nur empfehlen, nicht das Internet zu befragen, welche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft denn „normal“ sei. Während ich also zwischenzeitlich schon sehr grübelte, warum und woher die Pfunde kamen, waren meine Frauenärztin und die Hebammen meines gewählten Geburtshauses immer noch seelenruhig. Beide Seiten versicherten mir, dass alles prima wäre, solange ich mich ausgewogen und gesund ernähren würde. „Prima“, dachte ich mir auch, als ich am Tag des errechneten Geburtstermins beschloss, die Waage von nun an zu ignorieren. Rückblickend war das die beste Entscheidung. Was sagen Zahlen schon aus? Mir ging es mit riesiger Babykugel einfach nur super. Lange Spaziergänge, Schwimmen und auch Yoga waren bis zum Schluss überhaupt kein Hindernis für mich, sondern machten im Gegenteil auch mit gut 25 Kilo mehr auf den Hüften noch viel Spaß.

Reserven während und nach der Geburt

Und dann war es so weit: Die Geburt von Krümel. Und schnell war mir klar, was meine Hebamme mir während meiner Schwangerschaft immer wieder zu sagen versucht hatte. Eine Geburt fordert einer Frau mehr ab als vergleichsweise einen Marathon zu laufen. Körperlich ist erstere um einiges anstrengender. Dafür braucht Frau viele und vor allem gute Reserven. Obwohl ich im Vergleich eine einfache Geburt hatte, kam auch ich gegen Ende hin an meine (körperlichen) Grenzen. Der ganze Körper zitterte vor Erschöpfung und Müdigkeit. Aber ich merkte, dass ich eben Reserven hatte. Und mit diesen schaffte ich es dann auch mit letzter Kraft ins Ziel. Irgendwelche Zahlen waren allerspätestens da sowas von unwichtig. Ab sofort gab es da jemand Neues, der im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit stand. Und für dieses Menschlein benötigt man gerade auch in der Anfangszeit weitere Reserven. Denn ob Milcheinschuss, Hormondurcheinander oder die Rückbildung – der Körper braucht Ruhe und Kraft.

Nach der Schwangerschaft ist vor der Schwangerschaft

Die größte Sorge bei all dem ist doch, dass man letztlich wortwörtlich auf seinen Schwangerschaftspfunden sitzen bleiben könnte. Natürlich verändert sich der Körper mit einem Kind und wird auch nicht mehr so sein wie vor der Schwangerschaft. Aber eines muss an dieser Stelle auch ganz klar geschrieben werden:

Man hat zehn Monate lang ein kleines Menschlein in sich wachsen lassen und dann geboren. Ist das nicht vielleicht einen dickeren Bauch, ein schwaches Bindegewebe oder ein paar Kilos mehr wert?

Natürlich freut Frau sich umso mehr, wenn die Babypfunde auch von Zauberhand wieder verschwinden. Aber ganz so leicht kann es ja nicht sein, oder? Gerade als ich mit der Geburt hinter mir und dem Neugeborenen in den Armen vor mir in Sachen Körpergewicht, Figur und passenden Hosen (gibt es alles während des Wochenbetts sowieso nicht) super entspannt war, ging alles von ganz allein. Die Kilos purzelten und nach einem halben Jahr hatte ich mein Anfangsgewicht wieder. Und noch immer nehme ich ab, wenn auch natürlich deutlich langsamer als in den ersten Wochen nach der Geburt.

Wie ich abgenommen habe?

Wirklich (Ausdauer-)Sport ist während des Wochenbetts und auch im gesamten ersten Jahr mit Baby mit kleinen Ausnahmen eher nicht drinnen (Stichwort Beckenboden). Wir haben zwar auch Kanga-Kurse besucht, das aber eher um neue Kontakte zu knüpfen. Der wirkliche Grund, wie ich die 25 Kilo in einem halben Jahr wieder runter hatte, ist also ein ganz anderer. Ich stille Krümel nach Bedarf. So einfach ist das. Wir haben bislang keine Milchersatznahrung gebraucht, was hoffentlich auch so bleibt. Denn neben den gesundheitlichen Aspekten, der Bindung und Nähe spricht auch die Tatsache für das Stillen, dass es super bequem und allzeit möglich ist (keine extra Utensilien, nachts nicht aufstehen müssen, um eine Flasche zu machen usw.). Und ganz nebenbei werden täglich rund 600 Kalorien mehr verbraucht.

Ich hatte Glück, die Kilos purzelten nach und nach von ganz allein. Aber auch die 600 Extra-Kalorien sind letztlich nur eine Zahl. Und Zahlen, das wissen wir jetzt, sind ziemlich unwichtig.

Foto: privat

Hier schreibt Kruemelina, Journalistin und Gründerin des Krümel Blogs. Woher die Namen der beiden stammen? Von dem Spitznamen ihres Sohnes! Der heißt Krümel, seitdem ihn seine Eltern das erste Mal im Ultraschall gesehen haben.