Leben

„Angst vor Verbrechen: Wie ich mein Kind beschützen will“

unsplash / caroline hernandez

„Immer wieder gibt es ungeheuerliche News über Verbrechen wie Kindesmissbrauch, Entführungen oder sogar Mord. Zuletzt las ich über einen 64-jährigen Berliner, der demnächst vor Gericht steht. Ihm wird vorgeworfen, dass er zwei achtjährige Jungen sexuell missbraucht, fotografiert und gefilmt haben soll. Er lud die Jungen zu sich in die Wohnung und gewann durch viele Gespräche ihr Vertrauen und nutzte dies dann aus.

Selbstverständlich lesen sich solche Verbrechen immer grausam – egal ob man Mutter ist oder nicht. Doch seit ich selbst Mama einer kleinen Tochter bin, kommen noch Gefühle der eigenen Hilflosigkeit dazu. Wie kann ich meine Tochter vor bösen Menschen schützen? Wie kann ich sie beschützen, ohne dass ich eine Helikopter-Mama werde – also eine, die ständig über ihrem Kind kreist?

Die Zeit wird kommen, wo sie alleine oder mit Freunden zur Schule oder zum Spielplatz geht. Ich kann sie schließlich nicht einsperren. Doch was muss ich ihr mitgeben, damit sie nicht mit Fremden mitgeht? Wie stelle ich es an, dass sie keine Angst hat vor ihren Mitmenschen, aber trotzdem eine Portion Misstrauen im Umgang mit Fremden lernt?

Wir bringen unsere Kinder leider ohne Bedienungsanleitung auf die Welt. Diese müssen wir nach unseren eigenen moralischen Vorstellungen und aus Erfahrungen zusammenstellen. Autoritäre oder antiautoritäre Erziehung – welche wähle ich? Nehme ich als übervorsichtige Mama im Zweifel ein genervtes Kind in Kauf oder lasse ich ihm lieber viele Freiheiten mit den eventuellen Risiken.

Egal wie man es als Mama macht, Kritik und schlaue Sprüche von außen sind immer inklusive. So sind die Menschen, selbst wir Mamas. Wir wissen alles besser, wenn es um andere Kinder geht, doch bei unseren eigenen stehen wir irgendwann mit einem Fragezeichen da. Wer das verneint, dem gratuliere ich von Herzen.

In meiner Nachbarschaft treffe ich immer wieder ein rund sieben Jahre altes Mädchen. Sie ist jedes Mal alleine unterwegs und fragt ohne Begrüßung bereits von Weitem, ob sie meinen Hund streicheln und uns beim Spazierengehen begleiten könne. Sie kennt mich nicht, aber hat keinerlei „Berührungsängste“.

Meine Nachbarin erzählte mir, dass dieses Mädchen sogar desöfteren bei ihnen vor der Tür steht, klingelt und sich dann selber einlädt, um ihre Hunde zu streicheln – und das, obwohl sie auch diese nicht näher kennt.

Abgesehen davon, dass das Mädchen sehr aufdringlich ist und offenbar bislang keine Umgangsformen lernte, scheint es so, dass ihre Eltern sich nicht darum kümmern, wo und mit wem sie sich rumtreibt. Meine Nachbarin hat sie einmal sogar nach Hause begleitet, um die Mutter darauf ansprechen. Doch außer der gelangweilten älteren Schwester hat sie niemanden zu Gesicht bekommen.

Bei dieser Geschichte denke ich zwangsläufig, was für ein Glück dieses kleine aufdringliche Mädchen hat, dass sie nicht zufällig an einen schlimmen Menschen geriet, sondern an meine nette Nachbarin. Wie kann denn eine Mutter zulassen, dass ihr Kind bei Fremden klingelt oder mitgeht?

Heutzutage sieht man tatsächlich weniger kleine Kinder ohne Aufsicht spielen. Ich erinnere mich, dass wir damals, als wir Kinder waren, mehr alleine machen durften als unsere eigenen Kinder. Alleine in den Wald gehen und spielen war früher kein Problem. Heute werden Mütter ihre kleinen Kinder eher seltener mit ruhigem Gewissen alleine in den Park oder Wald gehen lassen. Es gibt zwar heute zum Beispiel nicht mehr Pädophile als früher, aber das Thema ist insgesamt präsenter in den Medien und der öffentlichen Diskussion.

„Geh nicht mit Fremden“ – diesen Spruch hat bestimmt schon jede Mama einmal zu seinem Kind gesagt. Auch ich werde ihn zu meiner Tochter sagen, sobald sie etwas älter ist und ein besseres Verständnis dafür hat.

Die größte Herausforderung ist, zu erklären, was eigentlich ein Fremder ist. Da wird es viel Erklärungsbedarf geben,  denn meine Tochter könnte womöglich andere Vorstellungen davon haben als ich, wer denn ein Fremder ist.

Auch auf jeden Fall möchte nicht, dass meine Tochter irgendwann bei fremden Nachbarn klingelt, die sie nur von der Straße kennt.“