Leben

Darf ich in der Schwangerschaft meine Haare färben?

@unsplash, Clarissa Meyer

Die Antwort heißt: grundsätzlich ja!

Wir waren selbst überrascht, als wir mit unserem Experten gesprochen haben – Dr. Wolfgang Paulus, Leiter des Instituts für Reproduktionstoxologie am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg. Und der Mann muss es wissen: Er forscht seit über 25 Jahren zu den Themen Arzneimittel und Chemikalien in der Schwangerschaft.

Dr. Paulus: „Diverse Studien haben ergeben, dass die Mengen an Haarfärbemitteln, die beim Friseur eingesetzt werden, nachweisbar keinen Schaden beim ungeborenen Kind verursachen.“ Es wurden dabei verschiedene chemische Substanzen wie Lösungsmittel oder Alkohole untersucht. Ebenso ungefährlich fürs ungeborene Kind seien auch Haarfarben für zu Hause bzw. natürliche Färbemittel wie Henna.

Bei Studien, die von Vergiftungen und möglichen Fehlbildungen durch Haarefärben sprechen, müsse man sich laut Paulus die Ausgangssituation anschauen: Basis dieser Studien seien oft Tierversuche, bei dem dem Muttertier extrem hohe Dosen eines Wirkstoffs gespritzt wurden, wie sie in der Realität nie vorkommen. Schlimm!

Diese Dosen sind laut dem Gynäkologen aber in keinster Weise mit den Mengen vergleichbar, die man in der Blutbahn einer Schwangeren oder stillenden Mutter findet.

Das heißt: Man darf sich prinzipiell auch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten die Haare färben. Viele Frauen verzichten allerdings darauf, weil sie sich dann besser und auf der sicheren Seite fühlen. Im ersten Trimester werden nämlich die Organe des Ungeborenen angelegt, und die Empfindlichkeit für Fehlbildungen ist am größten.

Selbst bei Friseurinnen konnten Forscher in Toronto keine Zunahme von Problemen in der Schwangerschaft nachweisen. „Das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt ist durch das lange Stehen höher als durch das Haarefärben,“ weiß Dr. Paulus. Trotzdem wird empfohlen, dass die Frauen Handschuhe tragen, der Raum gut gelüftet ist und sie sich selbst nicht mehr als drei bis vier Mal die Haare färben lassen.

Doch zurück zu dir: Du hast trotz allem Bedenken? Musst du zwar nicht, aber dann lasse dir lieber Strähnen machen als eine komplette Haarfarbe. Da ist der Kontakt mit der Kopfhaut geringer.

Und Angst vor Blondierungen musst du übrigens auch nicht haben. Das Wasserstoffperoxid, das die Haare aufhellt, verfällt in der Luft zu Sauerstoff und Wasser – also zwei natürliche und unproblematische Stoffe.