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Transgender-Kinder: Avery Jackson (9) kämpft für mehr Toleranz

youtube.com / Debi Jackson
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Avery Jackson ist kein gewöhnliches Kind. Sie ist neun Jahre alt, hat aber schon einiges in ihrem Leben mitgemacht, denn sie wurde im falschen Körper geboren.

Zur Welt kam sie als Junge. Vier Jahre lang lebte sie als Junge, bis sie endlich die erlösende Diagnose bekam und ihr Leben als Mädchen führen durfte. Nun ist sie neun Jahre alt und hat eine echte Sensation geschafft: Sie ist das erste transgender Model auf der Titelseite des National Geographic.

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Gegenüber NBC erklärte Susan Goldberg von National Geographic die Wahl von „Gender Revolution“ zum Hauptthema im Januar 2017: „Wir wollten uns ansehen, wie traditionell die Geschlechter-Rollen überall auf der Welt sein können, aber wir wollten sie auch in aller Vielfalt zeigen. Es gibt viele Berichte über Promis, aber es gibt kaum Berichte über echte Menschen und die Schwierigkeiten, die uns tagtäglich im Klassenzimmer oder am Arbeitsplatz begegnen, wenn es um Gender geht.“ So stellt National Geographic 80 Familien vor, in denen sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema beschäftigen; die Reporter sprachen mit über 100 transsexuellen Menschen.

youtube.com / Debi Jackson
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Im Heft erzählt auch Avery Jackson ihre Geschichte. Sie ist nicht schüchtern und hielt mit ihrer Meinung noch nie hinterm Berg, wie der Blog ihrer Mutter Debi Jackson beweist. Sie stand von Anfang an voll und ganz hinter ihrem Kind und wurde schnell zu einer der führenden Figuren der LGBT-Community (Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender-Gesellschaft) in den USA.

Avery und ihre Familie leben – das kommt erschwerend hinzu – in Kansas City, Missouri, einem Bundesstaat, in dem Donald Trump bei der Präsidentenwahl 57 Prozent der Stimmen bekommen hat. Dass viele Menschen dort Vorurteile gegenüber Lebensweisen haben, die nicht der Norm entsprechen, hat Avery am eigenen Leib erfahren.

Als sie vier Jahre alt, ging sie zum ersten Mal als Mädchen in den Kindergarten. „Meinen Freunden hat das nichts ausgemacht, aber deren Eltern. Sie dachten, transgender wäre so etwas wie eine ansteckende Krankheit. Darum bin ich nicht mehr hingegangen. Es war besser, alle meine Freunde zu verlieren, als weiterhin so zu tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin“, erzählt Avery in einem YouTube-Video.

youtube.com / Debi Jackson
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„Wir verloren Freunde und Familie. Ein Jahr lang haben wir uns eigentlich vor der Öffentlichkeit versteckt, bis man den kleinen Jungen vergessen hatte. Averys Haare ließen wir wachsen“, so Debi über eine schwere Zeit ihres Lebens.

In die Schule ging Avery nicht mehr, sondern wird seither zu Hause unterrichtet. Stattdessen fand sie Freunde, die sie als Mädchen kennenlernten, in Turn- und Naturvereinen. Erst nach und nach gab sie dort preis, dass sie transgender ist. Gemeinsam mit ihrer Mutter kämpft sie immer noch dafür, dass alle sie so akzeptieren wie ihre neuen Freunde: „Ich bin nur ein normales Mädchen. Manche Menschen haben Angst, weil ich ein bisschen anders bin. Aber wir wollen das ändern!“

youtube.com / Debi Jackson
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Ihre Tochter zu ändern, das kam für Debi niemals in Frage. „Als sie vier Jahre alt war, sagte Avery zu mir: ‚Mama, du weißt, dass ich ein Mädchen bin, oder? In meinem Inneren bin ich ein Mädchen!‘ Sie sagte nicht, dass sie ein Mädchen sein möchte. Sie sagte, dass sie eines ist.“ Es gab eine Zeit, in der Debi alle Scheren versteckte, weil sie Angst hatte, dass Avery ihre ungeliebten Körperteile abschneiden würde. Das Mädchen, das noch ein Junge war, zeigte depressive Tendenzen, war zutiefst unglücklich.

Das ist inzwischen Geschichte und Avery genießt ihr neues Leben in vollen Zügen: „Das Beste daran, ein Mädchen zu sein, ist, dass ich jetzt nicht mehr so tun muss, als ob ich ein Junge bin. Ich habe männliche Körperteile, aber es sind nur Körperteile. Ich frage ja auch nicht, was in deiner Unterwäsche ist, oder?!“